Italien – Durch die Straße von Messina zur Pizza auf dem Vulkan

Um 05:25 Uhr am Mittwoch, den 03. August 2022 hatten wir vor Straci den Anker gelichtet und waren auf dem Weg um die Straße von Messina zu passieren und dann unseren Kurs nach Nordwesten zu richten. Das Wetter versprach für diesen Tag eine leichte bis schwache Brise und die Gezeitenströmungen in der Straße von Messina sollten laut Tabellen und Büchern auf unserer Seite stehen (hilfreich war dabei folgender Link: www.correntidellostretto.it).
Der Ätna zeigte sich auf der Fahrt, obwohl wir ihm immer näher kamen, nur in einen diesigen Schleier gehüllt.
Um 07:45Uhr meldeten wir uns bei „Messina Traffic“ über Funk für die Durchfahrt an. Die Strömung war mit uns und schob uns mit 6,5 Knoten Richtung Norden. Außer einigen wenigen Frachtern und etlichen großen Fähren und super schnellen Jetfähren war kein nennenswerter Verkehr in der Straße. Als wir die Enge zwischen Messina auf Sizilien und Villa San Giovanni auf der Festlandseite passierten, gerieten wir in heftige Strudel, die uns spontan auf 7,6 Knoten an der Engstelle vorbei katapultieren wollten und nachdem diese Strudel kurz vor dem Verlassen der Engstelle aufhörten, versuchte das Tyrrhenische Meer uns kurzzeitig durch Gegenströmung zurückzuschieben und reduzierte unsere Geschwindigkeit mal eben auf 3,9 Knoten herunter. Wie gut das der Wind so schön schwach war, denn bei schlechteren Bedingungen wäre die Durchfahrt wohl ein Höllenritt geworden. So war es ein tolles Erlebnis. Um 11:25 Uhr meldeten wir uns bei „Messina Traffic“ ab. Wir hatten das Verke
hrsgebiet hinter uns und legten Kurs auf den ca. 35 Seemeeilen entfernten, gut sichtbaren Kegel vor unserem Bug an. Es herrschte weiter Windmangel und so schipperten wir unserem Ziel unter Motor entgegen. Ein muß für jeden Italiener, der Stromboli, ein aktiver Vulkan, das war nun unser Ziel.
Um 19:30Uhr fiel unser Anker in einem übervollen Anker- und Bojenfeld auf Position N38°48,417` E015°14,673` bei einer Wassertiefe von 13,8 Metern nach 73 Seemeilen in gut haltenden Vulkangrund.
Wir waren erschöpft von unserem Tagewerk und wollten eigentlich ein wenig Ruhe aber die Rechnung hatten wir ohne den Wirt gemacht, denn um uns herum tobte das Partyleben. Schnelle Motorboote beförderten die einen von West nach Ost, die anderen von Ost nach West und verursachten einen Mordsschwell, der Gegenwind mächtig zum Tanzen brachte und sogar die eine oder andere Welle an Deck schwappen ließ. Den Motorbootchauffeuren ging es, so wie es den Anschein erweckte, wohl darum möglichst dicht an den Ankerliegern vorbeizurauschen und die kreischenden Mädels zu beeindrucken. Das Treiben ging bis gegen 23:00 Uhr, dann wurde es ruhiger, denn die Ausflugsboote zum aktiven Geschehen des Vulkans hatten ihre Sightseeing-Runde mit der kreischenden Masse beendet und waren wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt. Auch die Yachten auf dem überfüllten Ankerplatz hatten sich auf und davon begeben oder ließen langsam Ruhe einkehren – das war spannend aber sehr anstrengend.
Am folgenden Morgen war der Ankerplatz ziemlich leer und im Laufe des Vormittags fast von allen Vulkanumrundern verlassen. Wir blieben und machten unser Dingi fertig um an Land zu paddeln. Wir setzten nun das erste Mal unsere Füße auf italienischen Boden, einen schwarzen Sandstrand und trugen unser Dingi zu einem Abstellplatz. Das war wie der „Tanz auf dem Vulkan“, denn der schwarze Sand war brennend heiß für unsere Füße. Die Mittagssonne tat ihr Bestes um alles richtig aufzuheizen. Auch wir schwitzen einfach nur noch aus allen Poren. Wir drehten eine kurze Dorfrunde im fast menschenleeren Ort und verzogen uns in eine gemütlich aussehende Pizzeria – Es gab eine echte italienische Pizza auf Stromboli!
Nach dem guten Essen und nachdem die Hitze langsam etwas erträglicher wurde, machte Helge sich auf, um einen Blick auf das Ankerfeld zu werfen und zu begutachten wie viel Zeit wir uns noch lassen konnten, bevor wir lieber an Bord zurückkehren sollten um auf Gegenwind aufzupassen. Asha blieb noch einen Augenblick im Restaurant sitzen, so dachten wir zumindest. Aber auch diese Rechnung hatten wir ohne den Wirt gemacht, denn kaum war Helge aus der Tür, wurde Asha rüde hinauskomplimentiert und das obwohl nur wenige Gäste das Restaurant füllten – das hatten wir noch nirgendwo erlebt.
Als Helge zurückkehrte, bummelten wir noch eine kleine Runde durch den Ort bis zu unserem Dingi. Wir erkannten den Ort kaum wieder, denn er quoll innerhalb weniger Augenblicke über vor Touristen, die sich und uns die Füße platt traten. Fähren hatten die Massen im Akkord auf die Insel befördert.
Wir paddelten zurück zu Gegenwind und jetzt ging hier das Schauspiel am sich überfüllenden Ankerplatz mit den Motorbootchauffeuren und den kreischenden Mädels von neuem los – wohl das sommerliche Abendspektakel auf Stromboli.
Bilder folgen später, denn unser Internetzugang ist hier eingeschränkt.

Viele Grüße vom Stromboli aus Italien Asha & Helge Crew der SY Gegenwind

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