Viva España!

Wir erreichen Spanien: Viva España!

Wir erreichen Spanien: Viva España!

Wir haben die erste richtig entspannende Woche mit nahezu nichts tun hinter uns: „Kommen wir langsam auf unserer Reise an?“

 

Am Montag den 18. August um 13:30 Uhr verließen wir nun endlich England, Plymouth um zu neuen Ufern aufzubrechen.

Die englische Südküste können wir als Segelrevier nur weiterempfehlen, auch für eingefleischte Ostseesegler mit etwas Zeit im Gepäck.

Gegenwind wollte beim Ablegen nicht so richtig von ihrem Liegeplatz wegkommen, da ein frischer Nordwind sie auf den Anlegesteg drückte, so daß Asha mit vollen Körpereinsatz Gegenwind auf die richtige Bahn brachte. Dabei ging Asha dann allerdings bei 9°C warmem Hafenwasser baden. Die Rettungsweste hielt was sie versprach und Asha kletterte kurzerhand über die Badeleiter wieder an Bord. Während die nassen Sachen zum trocknen ausgebreitet wurden ging es mit doppelt gerefftem Großsegel und der großen Rollgenua von Plymouth aus in Richtung Südwest.

Bei leicht bewölktem Himmel machten wir eine Rauschefahrt durch den englischen Kanal. In den Abendstunden wurde es dann allerdings ziemlich feuchtkalt und der Wachgänger mußte sich dick ins Ölzeug einmummeln. Alle Mann/ Frau an Deck hieß es dann ab 03:00 Uhr Nachts, da wir auf einen Schwarm von „verrückten Fischern“ gestoßen waren. Erst war nichts zu sehen, dann schalteten die Fischer direkt vor unserer Nase ihre Lichter und ihre elektronische Signale (AIS) ein – einer links, einer rechts, einer voraus; ach nein, die teilen sich nochmal und einer dreht genau auf uns zu, der andere jetzt auch… . So ging das für ungefähr zwei Stunden ununterbrochen und wir mußten zusehen wo wir bleiben, da sie uns gefährlich nahe kamen bei ihren Versteckspiel- Manövern. Ob die wohl illegal fischten oder uns einfach nur ärgerten? Seitdem mag Helge die Fischer im englischen Kanal jedenfalls nicht mehr und hofft auch nie irgendwelche Fische von denen zu kaufen.

Der zweite Tag auf See war dann wieder recht ruhig, wenn man eine Wellenhöhe von 1,5 m und einen mäßigen bis starken Wind aus Norden so bezeichnen mag. Der Appetit war bei uns beiden nicht so sonderlich stark, so daß wir uns auf vorgekochte Kartoffeln mit Butter, ein paar Kekse oder Zwieback und einige geschmierte Stullen beschränkten. In den späten Nachmittagsstunden änderten wir unseren Kurs auf Süd als wir 40 Seemeilen vor der französischen Küste das große Verkehrstrennungsgebiet (so etwas ähnliches wie eine Autobahn für die Schifffahrt) passiert hatten. Dann geschah etwas tolles: die ersten Delfine schwammen um uns herum! Eine halbe Stunde lang speilten sie auf Tuchfühlung mit und um Gegenwind herum und einer sprang sogar „wie Flipper“ aus dem Wasser. Leider war unser Kamerafinger zu langsam.

In den Abendstunden des zweiten Tages verließ uns der Wind, so daß wir den Motor starteten um ein Stückchen zu motoren.

Wir motorten die ganze Nacht immer in Begleitung der Großschifffahrt bis wir die Hauptroute dann passiert hatten. Dann war Ruhe: nur noch wir DREI auf dem Atlantik. In den frühen Morgenstunden erreichten wir den Tiefwasserbereich mit 1000 Metern, der dann bis auf gute 5000 Meter zunahm. Das Wasser wurde immer glatter bis es schließlich eine Spiegelfläche war und wir motorten weiter bis in den dritten Abend hinein.

Auf Position Nord 45°59‘/ West 007°16‘ riefen wir „Wal, da bläst er!“ In ca. einer Seemeile Entfernung tauchten riesige Fontänen auf und wir sahen den Rücken und die Schwanzflosse von Moby Dicks Verwandten.

Dann waren wir DREI wieder allein, abgesehen von den Delfinen, die ab und zu kurz mal nach uns schauten.

Wir motorten bei sternenklarem Himmel, mehreren Sternschnuppen und einer auch für Sternen-Gucker-Anfänger toll sichtbaren Milchstraße durch die vierte Nacht in den nächsten Tag hinein. Die Berechnungen für unseren Dieselverbrauch betrieben wir inzwischen immer häufiger mit der Hoffnung, daß das wohl noch reichen müßte. So lange sind wir bisher noch nie motort.

Am fünften Tag auf See hieß es dann: „Land in Sicht!“ Ungefähr 40 sm vor der spanischen Küste konnten wir bei immer noch herrlichem Sonnenschein um 14:00 Uhr die ersten Berge ausmachen. Der Wind meldete sich wieder und wir setzten endlich wieder unsere Segel und der Motor hatte für kurze Zeit Pause. Mit dem Dunkelwerden ging auch der Wind schlafen. So mußte der Motor für die letzten 20 sm wieder ran! Spannend war dann die Ansteuerung unseres ersten spanischen Hafens: A Coruña; da wie von Klaus in unserer Plauderecke angekündigt Massen an Fischern unterwegs waren. Zu unserem erstaunen machten die Fischer allerdings alle einen mehr oder weniger großen Bogen um uns, so das wir unbehelligt am Freitag, den 22. August 2014 um 02:30 Uhr in A Coruña einliefen.

Die Strecke von Plymouth (UK) nach A Coruña (E) dauerte fünf Tage. Wir legten dabei eine Strecke von 467 sm (864 km) zurück, davon 270 sm (500 km) in 53 Stunden unter Motor. Bei dem Dieselverbrauch von unserm 38 PS Nanni-Motor sind wir uns noch nicht ganz sicher, da das Tanken noch aussteht; aber wahrscheinlich liegt der Verbrauch bei einer Motordrehzahl von 1400 U/min bei 1,7 Liter/Stunde. Der Dieseltank scheint weiter zu reichen als wir dachten.

Seit unserer Ankunft in Spanien haben wir uns einfach einmal auf die faule Haut gelegt und außer dem täglichen Muß nichts getan.

Wir mußten unsere Segelausrüstung mal wieder inspizieren. Sie bedarf doch etwas mehr Aufmerksamkeit als auf der Ostsee. Der erste Tauchgang war fällig um eine neue Propelleranode anzubringen, das Salzwasser fordert seinen Tribut. Natürlich gehörte zu dem Mindestprogramm auch das Wäschewaschen und Einkaufen. Helge mußte einen lockeren Zahn beim Zahnarzt behandeln lassen. Und eine Erkältung war auch noch auszukurieren. Asha litt dabei ordentlich unter dem nörgeln von Helge.

 

Es ist wieder soweit unser Tatendang kommt langsam zurück!

Wir bereiten uns gerade auf die Weiterfahrt an der spanischen Küste vor.

 

Viele Grüße aus A Coruña (E)

Asha & Helge

Crew der SY Gegenwind

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