Aufbruch von Osttimor – 19.Tag auf See

Datum: Dienstag, 14. September 2021 – 12:00 Uhr Osttimor-Zeit
GPS-Position: S 00°46,168‘, E 107°00,419‘
Kurs 315°, Geschwindigkeit wir treiben, Genua III klein gerollt, Tagesetmal 29sm aber nur 20sm in die richtige Richtung, seit Dili 1303sm vorangekommen, noch zu segelnde Strecke 799sm von der Gesamtstrecke 2029sm.
Aktuelles Wetter: bedeckter Himmel, Tropfenschauer, feuchtwarme 28,8°C im Schiff, Wassertemperatur 28,7°C, Wind 1-2 Beaufort aus Südwest, See 0,3m.

Sturm! Der gestrige Nachmittag wurde immer drückender und heißer. Dann fing das Barometer an massiv zu fallen, ganze 9mbar. Die Wolken wurden immer dunkler, so daß wir unsere Vorbereitungen für Schlechtwetter trafen. Helge machte seinen Kontrollgang übers Deck, um ein paar Dinge noch mal neu zu Stauen, während sich Asha sich darum kümmerte unter Deck alles zu sichern und vor allem noch ein schnelles Mittagessen, eine Dose Erbseneintopf zuzubereiten. Währenddessen verdichteten sich die dunklen Wolken immer weiter. Wir drehten bei, mit einem zur Taschentuchgröße verkleinerten Vorsegel und das Großsegel lag sowieso fest verschnürt auf dem Baum. Dann gab es Mittag. Nach dem Essen, Asha schafft gerade noch den Abwasch, fing der Spuk an. Gegen 16:30Uhr heulte der Wind auf, natürlich genau von vorne und Gegenwind drehte sich in einen Winkel von ca. 60 Grad zum Wind und wir trieben damit ganz langsam nach Lee. Der Wind erreichte Sturmstärke, neun Beaufort, die auf unser
em Windmesser mit satten 42 Knoten Wind angezeigt wurden. Langsam wurden auch die Wellen höher und wuchsen auf zwei bis drei Meter an, was das Ganze noch deutlich ungemütlicher machte und wir uns damit kräftig abstützen oder verkeilen mußten. Helge übernahm die Wache im Cockpit während Asha unter Deck, die doch immer mal wieder herumpurzelnden Sachen einfing und sich sonst in ihrer Koje einklemmte. Der Schlimmste war gegen 18:00Uhr vorüber gezogen und gegen 19:30Uhr fingen wir vorsichtig wieder an zu segeln, allerdings nun auf einem am Wind Kurs der so gar nicht zu unserer Route paßte. Nach Mitternacht kreuzten noch ein paar nicht seemännisch beleuchtete Fischer und ein Schleppverband unseren Kurs und sorgten für Streß. Gegen 03:00Uhr stand der Wachwechsel an und Asha übernahm die nächste Starkwindfront, die gegen 04:30Uhr nur mit knapp 30kn Wind über uns hinwegbrauste.
Seit Hellwerden ist der Himmel nur noch bedeckt, die See hat sich beruhigt und der Wind ist mit einer Flaute eingeschlafen. Wir versuchen jetzt uns von dem Spuk zu erholen und unsere verspannten Muskeln mit etwas Ruhe wieder zu beruhigen.
Viele Grüße aus dem Südchinesischen Meer
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

Dieser Beitrag wurde unter Logbuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.