Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Vorbereitungen ins Ungewisse

Licht am Horizont
Licht am Horizont

Unser Ankerplatz ist und bleibt eine Herausforderung. Wir sind hier extrem Abhängig von Wind und Wellen verbunden mit den Gezeiten um an Land und wieder zurück an Bord zu kommen. Außerdem beeinflussen Wind und Wellen unser Leben an Bord massiv. Jetzt haben wir gerade mal etwas ruhigere Bedingungen, so daß wir auch tatsächlich etwas abstellen können ohne das es uns davonpurzelt und auch das Sitzen am PC führt gerade nicht zu Seekrankheit und Muskelkater. Blaue Flecken oder kleinere Blessuren haben wir sowieso immer wieder vom Leben am Ankerplatz.

Ihr werdet es kaum glauben aber wir sind langsam echt urlaubsreif!
Aber Gegenwind braucht an diesem Ankerplatz unsere ständige Aufmerksamkeit für die immer wieder rasselnde Kette, die sich irgendwo am Grund verdüddeln will, denn der Wind dreht uns immer wieder gerne 360° um den Anker und damit um die ganzen Wiederstände am Hafengrund, so daß wir inzwischen über eineinhalb Jahre wie auf hoher See leben und das sieben Tage vierundzwanzig Stunden lang.

Seitdem wir unseren Motor mit den Ersatzteilen wieder flott machen konnten, haben wir auch angefangen uns segelfertig zu machen, also alles durchchecken, defekte Teile so gut es geht mit Bordmitteln reparieren oder aus unseren Beständen ersetzen. Dabei stoßen wir bei unseren Möglichkeiten inzwischen schon das eine oder andere Mal an unsere hier gegebenen Grenzen und umtüddeln auch mal etwas mit Tape – das kennt Helge eigentlich nur aus seinen Segelanfängen als Jugendlicher aber nicht für einen 2000sm Trip.

Naja, wir wissen ja noch nicht einmal ob wir tatsächlich den Anker lichten können.
Immerhin sorgen zurzeit die Einreisebestimmungen für Phuket, Thailand für einen Hoffnungsschimmer – also drückt uns die Daumen das das klappt!

Südostasien ist zurzeit leider nicht so locker wie Europa was das Reisen angeht. Die Bestimmungen für private Segelreisen über Landesgrenzen hinweg schränken die Möglichkeiten ziemlich stark ein oder schließen sie gar ganz aus, während die Segelsaison, um mit dem richtigen Wind weiter zu segeln, stabil ist und der Wind in den kommenden Wochen wohl noch kräftiger wird. So haben wir den formalen Einreiseprozeß für Thailand begonnen und sind nun dabei uns durch einen Haufen Bürokratie und Formalismus zu arbeiten um vielleicht eine Genehmigung zu bekommen.

Einen Großteil unserer Proviantliste haben wir inzwischen vorsorglich schon abgearbeitet, denn bei unseren Einkäufen müssen wir ja auch ständig gucken, was wir gerade bekommen, denn was heute die Regale füllt, kann morgen schon für Wochen wieder aus sein.

Unsere Sprayhood, die Kappe über dem Eingang, haben wir an einigen Stellen nachgenäht und die meisten Schapps und Backskisten sind auch schon seegerecht gestaut. Jetzt steht noch die Segelausrüstung an, aber auch dazu brauchen wir ein paar ruhige Stunden in denen wir nicht wie wild durchgeschüttelt werden, damit wir unsere Hände zum Arbeiten nutzen können und nicht nur zum ständigen festhalten brauchen.

Das Unterwasserschiff  haben wir in mühevollen Schnorchelgängen an mehreren Tagen von seinem Bewuchspanzer befreit. Bei der Wasserqualität hat Asha von Deck aus nach Öllachen, benutzten Einmalwindeln und anderem umhertreibendem, ekeligem Zeug Ausschau gehalten und Helge immer wieder aus dem Wasser herausgerufen, um nicht in Öl oder schlimmerem eingelegt zu werden. Trotzdem hat Helge dabei Ohr und Hautprobleme davongetragen, die nun erst einmal wieder abheilen müssen.  

Auch die Ankerkette und der Anker verlangen nach dieser langen, ununterbrochenen Einsatzzeit unter Wasser einiges an Aufmerksamkeit und das möglichst an Tagen an denen Gegenwind nicht wie wild in der See rockt und dran zerrt.

Das Positive an all unseren ganzen Aktionen ist, das es tatsächlich mal wieder eine Perspektive für ein Weiterkommen und auf einen ruhigeren Liegeplatz gibt. Wir hoffen drauf!

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Ein kleiner Piecks

Wir sind geimpft
Wir sind geimpft

Die Restaurants haben wieder auf und auch der öffentliche Nahverkehr, also die Minibusse und Taxen dürfen wieder Fahrgäste befördern. Vor ein paar Tagen wurden die Corona-Lockdown-Maßnahmen gelockert, denn die Zahlen haben sich verbessert und auch die Impfaktionen laufen.
Das sind die wesentlichen Corona-Daten vom 21.Juni 2021: Gesamtzahl aller gemeldeten Covid19- Infektionen= 8707, Neuinfektionen der letzten 7 Tage (Inzidenzwert)= 32, Gesamtzahl aller gemeldeten Covid19 Todesfälle = 19, Impfquote für die Erstimpfung= 7,87%, und für die Zweitimpfung= 0,51%.

Wie gut das der Lockdown gelockert wurde, denn so fällt es den Menschen leichter die Begeisterung über die Fußballeuropameisterschaft mit Straßenkorsos auf ihren Motorrollern und auf der einen oder anderen LKW-Ladefläche zu zelebrieren und dann anschließend in den Nachtstunden vor dem Bildschirm zu sitzen. Es gibt hier übrigens auch viele Timoresen, die für die deutsche Nationalmannschaft jubeln.

Die Corona-Maßnahmen haben für viele Familien harte Einschnitte ins Leben und die weitere Entwicklung gebracht. So mußten z.B. Studenten ihr Studium aufgrund fehlender Einnahmen in den Familien abbrechen. Und selbst das Erlernen einer Fremdsprache mit der dazugehörigen Praxis ist noch schwieriger geworden, denn es fehlen jetzt einfach Übungsobjekte in Form von Urlaubern und Ausländern die sich hier aufhalten. Wir sind inzwischen für viele zu Studienmitteln geworden. So haben wir unter Anderem in den Abendstunden über Facebook mit unseren Timoresischen Freunden während des Lockdowns auf English gechattet.

Seit Anfang April wird hier übrigens gegen Covid19 geimpft. Begonnen wurde die Impfkampagne mit dem Präsidenten und hochgestellten Persönlichkeiten als Vorbilder für das Land. Zuerst erreichten AstraZeneca Impfstoffe aus dem Covax-Programm Timor-Leste. Man könnte meinen, das die dänische Ablehnung des AstraZeneca Impfstoffs hier die ersten Dosen gebracht hat, denn kurz nach der Ablehnung dieses Impfstoffes in Dänemark kamen hier die ersten Dosen aus Kopenhagen an – ein Schelm der da einen Zusammenhang sieht. Aber so kommt wenigstens Impfstoff in Entwicklungsländer. Inzwischen kommen AstraZeneca-Lieferungen auch aus Australien und China liefert seinen Impfstoff Sinovac hierher und auch der wird gerne genommen.

Wir sind hier inzwischen ebenfalls geimpft, mit AstraZeneca. Es gibt übrigens mit der Zweitimpfung gleich einen digitalen Impfpaß mit QR-Code dazu.
Wenn wir die deutschen Medien über das Impf-Chaos und die schleppende Umsetzung eines digitalen Impfasses in Deutschland betrachten, dann können wir nur sagen, nehmt Euch mal ein Beispiel an Timor-Leste, einem Entwicklungsland, das das ganze super hinbekommt.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Geduld, Geduld, Geduld, …

Seewasserpumpe demontiert
Seewasserpumpe demontiert

Wikipedia bezeichnet Geduld (altertümlich: Langmut) als die Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen. Geduld gilt dabei als eine Tugend.

Naja, bei diesem Bericht werden wir wohl Eure Geduld prüfen aber auch Eure Fantasie herausfordern.

Ihr erinnert Euch noch an unseren Bericht vom 23. März 2021 (Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Negative Schwingungen ), indem wir von unseren Motorsorgen schrieben? Dabei berichteten wir von einem Wassereinbruch durch den Auspuffkrümmer. Aber wie heißt es so schön: „Ein Unglück kommt selten allein!“, und das traf auch da wieder zu, denn beim anschließenden Lenzen (dem Auspumpen des Wassers aus dem Schiffinnseren) fiel auch noch unsere Hauptlenzpumpe aus.

Die Analyse der Motorprobleme stürzte uns in einen tiefen Frust!

Der Auspuffkrümmer hatte ein Loch direkt am Seewasserzulauf des Krümmers. Anders als bei dem Automotor, der seine Kühlung über die Luft erhält, saugt unser Schiffsdiesel mit Hilfe einer Seewasserpumpe Seewasser durch einen Wassereinlaß im Rumpf unterhalb der Wasserlinie an und wird so mit dem Seewasser gekühlt. Damit dieses Seewasser wieder nach draußen kann, wird es am Krümmer mit den Auspuffabgasen gemischt und dann über den Auspuff nach Außenbords geleitet. Mit dem Loch im Krümmer wurde nun das Kühlwasser allerdings ins Schiffsinnere gepumpt, so daß wir den Motor nicht mehr benutzen konnten ohne Gegenwind mit Seewasser zu fluten.
Natürlich haben wir mehrere Pumpen um bei einem Wassereinbruch das Seewasser wieder aus dem Schiff zu befördern, aber trotzdem war es echt ärgerlich, das unsere Hauptpumpe ausgefallen war, als wir sie einsetzten um die Wassermenge wieder nach draußen zu befördern. Bei unserer Analyse stellen wir fest, das eine Fixiermutter für die bewegliche Pumpenmembrane gebrochen war und damit kein Pumpendruck aufgebaut werden konnte. Unsere ganz große Zweitpumpe erledigte den Job aber problemlos.

Jetzt werdet Ihr wahrscheinlich sagen, da geht man doch einfach in den Laden oder bestellt Ersatzteile per Lieferservice. Ja, wenn das hier gerade während der Corona-Zeit nur so einfach wäre.

Für die Kunststoff- Fixiermutter der Lenzpumpe klapperten wir sämtliche Baumärkte, Händler und Werkstätten ab und das natürlich alles zu Fuß, da der öffentliche Nahverkehr sowie Taxis während des derzeit immer noch geltenden Lockdowns nicht fahren dürfen. Nach 14 Tagen Suchen fanden wir in einem Baumarkt überaschenderweise einen Plastikwasserhahn dessen Anschlußstück genau unsere gesuchte Kunststoffmutter hatte, Diese Art von Wasserhahn wird hier vielerorts für Wasserbehälter verwendet, die vor vielen Läden zum Händewaschen als Corona Maßnahme stehen. Wir besorgten gleich mehrere dieser Wasserhähne, denn wer weiß wann die mit „ausverkauft“ laufen und ein Ersatzteil an Bord ist immer gut. Damit konnten wir das Problem Lenzpumpe lösen. Diese „blöde“, simple Kunststoffmutter sorgte für 14 Tage tägliche, schweißtreibende Laufereien bei über 30°C im Schatten und zerrte ziemlich an unseren Geduldsfäden, zumal wir nicht sicher waren, unsere Suche überhaupt erfolgreich abschließen zu können!

Der Auspuffkrümmer für unseren Motor war da schon anspruchsvoller. Naja, eigentlich ja auch nur eine Bestellung beim Ersatzteilehändler, ein Paket per Post und ein paar Tage warten. Nur das geht hier seit Beginn der Corona- Krise nicht mehr. Der Anruf bei unserem Nanni- Vertreter in Kiel und das Zusammenstellen der entsprechenden Teile war eine Sache aber dann wurden unsere Geduldsfäden sehr stark gedehnt, sind gerissen, mußten sich wieder erholen und wurden weiter gequält. Wir hatten hier in Dili schon mitbekommen, das mehrere Leute Ende März immer noch auf ihre Weihnachtspakete warteten und so klapperten wir die verschiedenen Lieferdienste hier ab und erforschten die Situation – natürlich auch wieder zu Fuß bei natürlich noch über 30°C im Schatten. Bei DHL wurden wir sogar ausgelacht als wir nach einem Paket von Deutschland nach Timor-Leste fragten. Sie meinten: „Wir können es ja im kommenden Monat nochmal probieren, denn die Paketlieferung läßt sich zurzeit nicht planen. Aber wenn etwas kommt, kann das zurzeit schon mal 6-7 Monate dauern, während der derzeitigen Corona-Einschränkungen, denn auch öffentliche Flüge mit denen ein Paket normalerweise mitgeliefert wird, gibt es seit Beginn der Corona-Zeit hier ja nicht mehr.“ Bei UPS und TNT sah es auch nicht besser aus, wie uns Bekannte berichteten und FedEx erklärte uns, das sie zurzeit nur von Geschäftskunde zu Geschäftskunde transportieren und auch die Lieferzeiten lassen sich nicht festlegen.

Mit dem Wissen fragten wir erst einmal bei unserem Nanni- Vertreter nach, ob und was für ein Provisorium wir vor Ort zusammenbasteln können. Mit dem Tipp legten wir dann zum Basteln los. Dazu brauchten wir nur etwas Material. Das fanden wir tatsächlich in dem Nobelbaumarkt. So ausgestattet mit einem selbstvulkanisierenden Klebeband bandagierten wir dann den Auspuffkrümmer. Nur das Klebeband hatte seine Eigenschaften total verloren, vermutlich durch die tropischen Temperaturen. So war der Versuch ein Mißerfolg und das Seewasser spritzte nach wie vor aus dem Krümmer in den Motorraum. Allerdings ließ uns das Pech auch diesmal nicht los, denn beim Einschalten des Motor schoß jetzt zusätzlich auch ein Wasserstrahl aus der Seewasserpumpe. Die Wellendichtung zum Pumpengehäuse hatte den Geist aufgegeben – also noch ein weiteres Problem für das es hier vor Ort keine Lösung gibt.
Wir wollten den Motor allerdings nicht so lange stillstehen lassen, denn alles das sich unbenutzt an Bord  befindet, gerade wenn es mit dem absolut aggressiven Seewasser in Kontakt kommt, neigt vorsichtig ausgedrückt gerne zu Problemen. Außerdem benötigen wir den Motor ja immer wieder zum Laden unserer Batterien. So war jetzt erst einmal wieder die Frage an unseren Nanni- Vertreter aus Kiel, ob wir noch andere Möglichkeiten haben den Auspuffkrümmer mit Bordmitteln provisorisch abzudichten, denn der hat ja eigentlich immer eine Lösung parat! Natürlich so auch diesmal und so verarbeiteten wir Backpapier und Silicon zu einer Bandage.
Für die Wellendichtung der Seewasserpumpe fand sich in Gegenwinds Ersatzteilschatzkiste zum Glück noch die bisher ungenutzte, passende Dichtung. So bastelten wir die Seewasserpumpe, natürlich mit improvisierten Mitteln auseinander, denn einen professionellen Abzieher um die Welle aus dem Pumpengehäuse zu demontieren haben wir in den hiesigen Shops und Werkstätten gar nicht erst gesucht. Aber diese improvisierten Hilfsmittel reichten aus um die alte Wellendichtung gegen die neue zu tauschen. Es hat halt nur lange gedauert um aus Holzstückchen und Schraubzwingen das passende zusammenzubekommen.
Mit der reparierten Seewasserpumpe und dem bandagierten Auspuffkrümmer starteten wir erneut den Motor und blickten nervös in den Maschinenraum um nach einspritzendem Wasser Ausschau zu halten – nichts. Es blieb tatsächlich trocken. So weit so gut aber mit dem bandagierten Auspuffkrümmer wollten wir nicht in Gebiete fahren in denen wir auf den Motor angewiesen sind.

So versuchten wir natürlich auch während unserer Bastelaktionen weiter an einer Paketlieferung zu arbeiten. Und  nur um es zu erwähnen, wir saßen dabei auch noch für einige Wochen an Bord fest, denn Wind und Wellen führten zu heftigem Geschaukel und viel zu hoher Brandung, um am Strand mit dem Dingi ohne Kentergefahr anlanden zu können. Außerdem zog zu Ostern ja auch noch der entstehende Zyklon „Seroja“ über uns hinweg, wobei wir bei den Wind- und Wellen Prognosen nicht sicher waren, das wir das heil überstehen werden. Zu unserem Glück war die Realität von Wind und Wellen doch nicht so heftig, wie die Vorhersagen es versprachen.

Bei unserer Ersatzteillieferung fragten wir sogar nach einem Schiffstransport von Singapur und ähnlich verrückten Wegen, ein Paket in absehbarer Zeit hierher zu bekommen. Der Weg aus Deutschland zeigte sich als immer illusorischer, so daß wir uns mit Möglichkeiten über Australien zu bestellen beschäftigten. Das hatte auch so seine Haken und Ösen, denn dafür brauchten wir eine australische Adresse. Aber wir fanden einen interessierten Nanni- Motorvertreter in Darwin und wir haben ja schließlich auch Freunde in Australien. Gar keine Frage, wer uns da vor Ort weiterhelfen konnte, ein australisches Seglerpaar, das wir in der Karibik kennen gelernt hatten und mit dem wir regelmäßig in Kontakt stehen. Sie waren schnell angeschrieben und so sahen wir langsam etwas Licht im Dunkel.
Und tatsächlich, unsere Ersatzteile konnten von Europa über Australien dann mit Hilfe des Nanni- Vertreters in Darwin per Luftfracht mit einer Frachtgesellschaft zu uns auf den Weg gebracht werden. So erreichten sie am 11. Mai 2021 den Flughafen in Dili und wir konnten unsere sehr angespannten Geduldsfäden wieder etwas beruhigen – dachten wir.

Wenn es jetzt möglich gewesen wäre, unser Ersatzteilpaket einfach abzuholen, wäre es wirklich zu einfach gewesen. Am 11. Mai hieß es erst einmal da sei nichts, nicht einmal ein Flieger angekommen, was sich dann aber nach ein paar Tagen auflöste und wir einen Anruf von einem Agenten bekamen, der uns dann sagte: „Da ist ein Paket für Euch am Flughafen beim Zoll.“ Super, aber dann kam der Papierkram und ein riesen hin und her mit unserer Idee das Paket als „Yacht in Transit“, das bedeutet zollfrei, zu bekommen. Das „Yacht in Transit“ hat den Hintergrund, das die Ersatzteile ja mit uns wieder das Land verlassen. Mit einheimischen Freunden zusammen und der Arbeit des Agenten, sowie einem Schwung Papierkram bekamen wir am 02.Juni 2021 endlich unsere Ersatzteile ausgehändigt. Unsere Geduldsfäden vibrieren bei dem Gedanken an den Aufwand immer noch.

Der neue Auspuffkrümmer ist seit dem 08.Juni 2021 auch schon eingebaut – auch das ist hier nicht so einfach, denn da heißt es einen Tag mit wenig Wellen zu erwischen, denn sonst fliegt alles durcheinander und auch das Arbeiten, wenn man sich ständig festhalten muß ist alles andere als lustig, dafür aber noch schweißtreibender, denn an Bord erreichen die Temperaturen gerne die 34°C im Schiff, da rutscht jedes Werkzeug aus der Hand. Und auch dabei spannen sich die Geduldsfäden wieder an.     

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Die Zeit nach der Überflutung

Ein Stück der Uferstraße: einfach weggespült
Ein Stück der Uferstraße: einfach weggespült

Es sind nun schon wieder einige Wochen seit unserem letzten Bericht vergangen.
Die gefühlt endlos lange Zeit ohne Perspektive, die brutalen Bedingungen am Ankerplatz und die Corona-Maßnahmen, die inzwischen aufgrund steigender Fallzahlen etabliert sind, lassen unsere Kräfte doch langsam schwinden und sorgen für zunehmende Erschöpfung und Unlust.

Nun aber trotzdem zur Osterflut, die durch den Zyklon „Seroja“ hier gewütet hat. Sie forderte 41 Todesopfer, anfangs waren mehr als 10.000 Menschen in Notunterkünften untergebracht. Etliche Straßen und Brücken haben massive Schäden davongetragen oder wurden ganz zerstört. Außerdem werden einige Gebiete immer noch von einem aus Australien gesandten  Hubschrauber versorgt. Große Aufräum- und Putzaktionen wurden gestartet. Dazu haben sich viele Helfer getroffen und sind von einem Gebiet zum nächsten gezogen, um die Schäden zu beseitigen. Auch der beliebte Widerstandkämpfer und ehemalige Präsident Xanana Gusmao besuchte die verschiedenen Schwerpunkte der Flut und spendete den Menschen Trost und Hoffnung. Damit die ganzen Hilfsmaßnahmen durchgeführt werden konnten und die Menschen sich zumindest mit dem nötigsten wieder ausrüsten konnten, wurden die Corona- Lockdown- Maßnahmen in sogenannte „Ruhemaßnahmen“ gelockert, denn Geschäfte und Baumärkte mußten öffnen, damit die Menschen sich wieder mit Sanitärartikeln, Kleidung und Baumaterialien versorgen konnten.
Die Wiedererrichtung der Stromversorgung dauerte alleine in der Hauptstadt mehrere Tage aber zumindest die Trinkwasserversorgung war hier gewährleistet. Andere Gebiete mußten über Wasserwagen versorgt werden. Es sind auch wirklich kaum Menschen von der Flut verschont geblieben. Unsere Freunde haben uns von Wasserständen bis zur Decke in ihren Häusern berichtet, sowie anschließenden dicken Schlammschichten, während andere nur nasse Füße bekommen haben. Einige Häuser sind auch trocken geblieben oder waren nur zeitweise von der Umgebung abgeschnitten.

Außerdem hat uns eine Freundin von ihrem Nachbarhaus berichtet, das durch die Fluten weggeschwemmt wurde und eine fünfköpfige Familie, davon drei Kinder mit in den Tod gerissen hat.
Eine andere Bekannte hatte uns berichtet, das ihr Haus und das Haus ihres Onkels in den Fluten versunken sind und sie anfangs in einem Hotel untergekommen waren aber dann auf die Straße gezogen sind, da das Hotel auf Dauer zu teuer wurde – sie wollte nicht in eine der Massenunterkünfte. So zog sie nun auf die Straße und schlüpfte während der inzwischen seltenen, tropischen Regenschauer bei Nachbarn unter.
Auch bei dem einen oder anderen Europäer der hier lebt, standen die Fluten in den Häusern. Von einem haben wir gehört, das die Flut die zwei Meter Marke erreichte.

Inzwischen sind viele Bereiche in der Hauptstadt wieder hergerichtet aber es bleibt natürlich noch einiges zu tun, vor allem um den Flutopfern, die zurzeit in den Notunterkünften oder auf der Straße leben wieder ein Dach über dem Kopf zu geben.

Es fühlt sich schon merkwürdig an, in so einem Katastrophengebiet zu leben und die Schwierigkeiten der Menschen hautnah mitzuerleben und zu sehen wie alles neu organisiert werden muß.
Wir schaukeln dagegen einfach weiter an unserem Ankerplatz und passen unser tägliches Leben irgendwie an die Lage an, damit auch wir mit den lokalen Einschränkungen, die ja in einem Entwicklungsland, noch dazu in Corona-Zeiten, auf so lange Zeit sowieso recht kompliziert sind,  zurechtkommen.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Dili komplett unter Wasser – Bilderstrecke

Da unser Fotoalbum zurzeit leider ein wenig unwillig ist Bilder anzunehmen, zeigen wir Euch nun einige Eindrücke der Wassermassen in unserem Logbuch.

Der entstehende Zyklon über Timor

Der entstehende Zyklon über Timor

Flutwelle

Flutwelle

Straßen sind Flüsse

Straßen sind Flüsse

Versunken in den Fluten

Versunken in den Fluten

Wassermassen vernichten Häuser

Wassermassen vernichten Häuser

Westlich von Timor bekommt der Zyklon einen Namen: Seroja

Westlich von Timor bekommt der Zyklon einen Namen: Seroja

Die Flutbilder in diesem Beitrag haben uns Freunde zugeschickt, da wir zu dem Zeitpunkt nicht an Land waren sondern auf Gegenwind aufgepaßt haben.   

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Dili komplett unter Wasser

Flüsse reißen alles mit sich
Flüsse reißen alles mit sich

Das Osterwochenende war wirklich alles andere als schön und doch werden wir das Ostern 2021 wohl nicht vergessen!

Wir hatten uns ja auf das Schlimmste vorbereitet, denn das Tiefdruckgebiet, das sich westlich von Timor inzwischen zu dem West-Südwest ziehenden Zyklon „Seroja“ entwickelt hat, zog über uns hinweg. Und abgesehen davon, das wir schon wieder an Bord festsaßen, war es wirklich ein hartes Wochenende für uns.  Die Wellen hatten uns am K-Freitag mächtig durchgeschüttelt und erreichten in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag ab 03:00 Uhr den Höhepunkt. Wellenhöhen von ca. einem Meter ließen uns nicht mehr wirklich schlafen, dazu kamen Windböen, zum Glück nur gute 20kn und Regen. Wobei wir den Regen eigentlich nicht mehr als Regen bezeichnen konnten, sondern ihn bis in die Mittagsstunden des Ostersonntags eher als Sturzbach bezeichnen sollten. Zum unserem Glück kam der Wind nicht mit Sturmstärke, wie vorhergesagt, über den Ankerplatz. So haben wir das Wochenende doch sicher überstanden.

Ganz anders sah es in großen Teilen von Dili, sowie in ganz Timor-Lestes aus. Die massiven Wassermassen haben Flüsse über die Ufer treten lassen, Straßen mannshoch überflutet Wohnungen und Häuser mit Schlamm und Wasser gefüllt oder gleich ganz weggerissen. Die ganze Hauptstadt sah aus wie eine Lagunenstadt. Die Schäden sind immens: mindestens 34 Tote und über 9000 Menschen ohne Unterkunft. Es hat auch die besseren Häuser getroffen und selbst der Präsident ist nicht verschont geblieben.
Von unserem Ankerplatz aus konnten wir die braunen Wassermassen über die Promenadenmauer wie gigantische breite Wasserfälle schießen sehen.

Inzwischen laufen Aktionen für die vielen Obdachlosen und die Schadensaufnahmen an der Infrastruktur, denn auch viele Straßen und Brücken sind massiv beschädigt oder sogar unpassierbar, genau wie die Stromversorgung die immer noch in weiten Teilen der Hauptstadt nicht wiederhergestellt werden konnte, denn Strom und Wasser vertragen sich nun einmal nicht. Die vergangenen Nächte war fast ganz Dili dunkel – das sah absolut gespenstisch aus von unserem Ankerplatz.
Wir waren noch nicht wieder an Land, denn wir wollen den Abzug der braunen Brühe um Gegenwind herum abwarten um dann sicher an Land zu kommen.

Die Bilder in diesem Beitrag haben uns Freunde zugeschickt.   

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Mal wieder etwas über das Wetter

Windvorhersage für Dili: windy.com
Windvorhersage für Dili: windy.com

Zu allererst wünschen wir Euch ein frohes Osterfest!

Für uns hält das Osterwochenende eine Überraschung bereit – die Wettervorhersagen für das Wochenende ändern sich seit gut einer Woche ständig. Was einmal wie eine Horrormeldung aussieht, erscheint beim nächsten Blick in die Vorhersage dann doch noch einigermaßen erträglich.
Der Grund für die Wetterkapriolen ist ein Tiefdruckgebiet, das sich nordöstlich von Timor-Leste formiert und nun Anlauf genommen hat, um über Timor Richtung Westen / Südwesten hinwegzuziehen und dann später wohl zu einem Zyklon zu werden. Damit ist die Luft hier zurzeit zum Schneiden, der Luftdruck schwankt und die Wolken versprechen Regen, entscheiden sich aber erst ganz kurzfristig ob sie wirklich Regen bringen oder die Schleusen lieber geschlossen halten. Der Wind ist zurzeit noch wechselhaft und schwachwindig.

Für die kommenden Tage werden wir wohl mit nördlichen Winden zwischen 20 bis 45 kn (5-9 Beaufort) zu rechnen haben. Und auch die Wellenvorhersagen wissen noch nicht so genau welche Überraschung sie uns bieten wollen, ob nur einen halben Meter oder vielleicht doch die Maximalvorhersage von 2,6 Metern. Wir haben jedenfalls so gut es geht sturmsicher gemacht. Dazu mußten wir auch unser Rettungsteam nach langer Zeit mal wieder um Hilfe bitten, denn es ist die Zeit der drehenden Winde zum Saisonwechsel und so hatte sich gestern unsere Ankerkette am Grund in 17m Wassertiefe vertüddelt und wollte Gegenwinds Bug brutal nach unten ziehen. Wir kennen das Problem ja schon vom letzten Jahr aber nun so kurz vor den anstehenden Wetterkapriolen ist das gar nicht lustig. Die beiden Taucher- Jungs von Desmond konnten den Knoten allerdings spontan und schnell am heutigen Donnerstagvormittag wieder lösen und somit haben wir auch mal wieder einen Eindruck von der Kette bekommen, sowie die Meldung das der Anker gut verbuddelt am Grund liegt.

Also drückt uns die Daumen, daß unsere Osterüberraschung möglichst schonend für uns ausfällt.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Negative Schwingungen

Lockdown, Lenzen und Bruch
Lockdown, Lenzen und Bruch

Der Wurm steckt in diesen Zeiten oder geht es einfach nur bergab?

Zuerst sind wir Wochenlang durch Wind und Wellen an Bord festgehalten worden aber seit ca. zwei Wochen hat sich das Wetter beruhigt, die Brandung ist an unserem Anlandestrand bei der Policia Maritim meist zahm und der Wind so, daß wir recht ordentlich paddeln können. Einen deutschen Stammtisch konnten wir Anfang des Monats sogar auch noch genießen.
Seit gut eineinhalb Wochen stecken wir hier allerdings in einem Lockdown und es heißt wieder zu Hause bleiben! Natürlich darf man hier das Notwendige wie Einkaufen, Arztbesuche und wie es so schön heißt, die systemrelevanten Dinge verrichten. Aber für uns bedeutet es, wir sitzen wieder an Bord fest und ja, langsam wird unser Heim dabei für uns immer anstrengender. Helge vergleicht es mit einer langen Krankheit – nur Sitzen oder Liegen, vielleicht am Naviplatz oder vor dem Herd mal stehen. Irgendwann wird das Ganze aber echt zu viel.

Das Corona- Virus hat es jetzt geschafft die Inselgrenze zwischen Timor-Leste und dem indonesischen Westtimor zu überwinden und breitet sich nun langsam aus. Bisher haben die Behörden die Fälle noch im Blick und können sie nachvollziehen und isolieren. Stand heute (23.03.2021) hat Timor-Leste 227 aktive Fälle, allerdings keine Toten oder schwer Erkrankten.

So tragen wir hier bei unseren Einkaufstouren an Land nun auch Maske, waschen vermehrt unsere Hände und halten Abstand. Bei den meisten Supermärkten wird beim Betreten inzwischen die Temperatur gemessen und an den Kassen nach beinahe jedem Kunden Desinfektionsspray verwendet.

Dili, die Hauptstadt ist ein Hotspot und so ist ein Sicherheitsbereich um die Stadt eingerichtet worden, den man nur mit Genehmigung und PCR-Test verlassen oder betreten darf. Das hat irgendwie zur Folge, daß die Marktstände deutlich weniger lokales Obst und Gemüse anbieten und das auch noch zu höheren Preisen. Anders herum wird das Umland auch schlechter mit Importgütern aus dem Schiffsfrachtverkehr, der über die Hauptstadt ins Land kommt, versorgt. Die Supermarktregale sind sowieso schon in den letzten Wochen auch hier in Dili etwas leerer oder lückenhafter ausgestattet. Seitdem Lockdown hat nun auch unsere Trinkwassermarke im Supermarkt keinen Nachschub mehr bekommen, da sie außerhalb des Sicherheitsbereichs abgefüllt wird. So mußten wir uns letzten Donnerstag, den 19. März 2021 einen neuen 20 Liter Kanister einer anderen Marke, die in Dili selbst abgefüllt wird, besorgen.

Bei dem ganzen Geschehen hofft man die ansteigende Zahl an Fällen in den kommenden Wochen wieder in den Griff zu bekommen. Übrigens alle unsere einheimischen Freunde haben Angst um uns, denn für hiesige Altersverhältnisse, das Durchschnittsalter liegt bei 19 Jahren, sind wir ja schon fast Methusalems.

Nun aber zu unserem eigentlichen Problem: Unser Motor bereitet uns sorgen. Wir nutzen den Motor hier immer wieder um unsere Batterien zu laden wenn Wind und Sonne nicht ausreichen. Und so ließen wir den Motor auch am Dienstag, den 23. Februar 2021 laufen, bis wir von einem komischen Geräusch alarmiert in den Motorraum hineinschauten und einen ordentlichen Wasserstrahl aus dem Auspuffkrümmer kommen sahen. Wir stellen den Motor ab. Der Wasserstrahl hörte auf aber die Bilge war bis kurz unter die Bodenbretter geflutet. Mit unserer Standardlenzpumpe fingen wir an das Wasser wieder außenbords zu befördern, bis zu einem unschönen Knacken aus der Pumpe – dann war es das mit dem Pumpen. Zum Glück haben wir noch zwei weitere Pumpen und so beförderten wir das Wasser mit der großen Pumpe nach draußen. Es stehen halt dringend mal wieder Wartungsarbeiten an, für die wir hier einfach keine Möglichkeiten haben.

Nun war erst einmal Frust angesagt, bevor es an die erste Analyse ging.     

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Kleinigkeiten

Das Polizeiboot direkt neben uns
Das Polizeiboot direkt neben uns

Was uns zurzeit bleibt sind Kleinigkeiten, denn wir sitzen inzwischen schon wieder eine Ewigkeit an Bord fest, so daß uns die Tage schon durcheinander geraten.

Das Wetter ist mies, denn vor der nordaustralischen Küste, im Golf von Carpentaria, braut sich ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen zusammen. Es ist halt ein La-Niňa Jahr. Das bringt uns jetzt starken Wind aus westnordwestlichen Richtungen genau auf unseren Ankerplatz mit unangenehmen Wellen und das teilweise sehr feuchtdrückend. Für uns bedeutet es, daß wir es nicht an Land schaffen und somit versuchen wir die Zeit einfach nur zu überstehen – flach auf den Boden legen und abwarten ist die Devise. Wir vertreiben uns dabei die Zeit mit lesen – leider viel zu häufig Corona- Nachrichten und kleinen Reparaturen. Bei den Reparaturen funktionieren meist nur Dinge, die wir einfach mal so in die Hand nehmen können um sie beiseite zu legen, wenn wir uns zu angespannt festhalten müssen. Gedankenlos Werkzeuge einfach mal so liegen lassen ist nicht angesagt, denn die fliegen, kullern oder poltern davon. Aber immerhin nimmt die Gestaltung von ein paar Shorts langsam Form an und auch ein paar schadhafte Stellen an der Baumpersenning sowie an unserem Cockpitschutz sind ausgebessert. Auch für unsere neue Gasflasche haben wir nun den neuen Adapter montiert und den Gasherd von 50mbar auf 30mbar umgerüstet. Zum Glück hatten wir uns die Ersatzteile dafür vor ein paar Jahren mal nach Tahiti schicken lassen und hier in Timor-Leste haben wir tatsächlich das erste Mal auf der ganzen Reise Gasflaschen gefunden, die wie die deutschen 5kg Gasflaschen in unser Gasfach passen. Die erste unserer beiden deutschen 5kg Flaschen ist hier nun auf den Schrott gewandert und die zweite wird demnächst folgen.

Unsere Tageshöhepunkte sind das Essen. Bei der langen Zeit an Bord backt Asha unser Brot selber, denn gekauftes, gelagertes Brot hält sich nur wenige Tage bevor es schimmelig wird. So gibt es bordeigenes Bananenbrot, dazu ist es nur wichtig immer ein paar Gläser eingemachte Bananen vorrätig zu haben. Während zwei Bananenbrote im Ofen backen können wir gleichzeitig unser Mittagessen – Bordpizza, Ofenkartoffeln oder einen Auflauf auf der untersten Schiene gassparend mitbacken. Wir genießen aber auch gerne unser selbstangerührtes Chili-con-Carne, arme Ritter, Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder auch ein Kürbisgericht. Frischer Kürbis hält sich übrigens selbst unter den hiesigen feuchtheißen, tropischen Bedingungen wochenlang. In den Abendstunden knabbern wir unser Obst – wobei die meisten lokalen Früchte nicht lange lagern können ohne zu schimmeln und wir daher für lange Bordzeiten auf importierte Äpfel und Orangen zurückgreifen. Zu unserem abendlichen Obstteller kommen allerdings auch vielfach ein paar Möhren, wobei da die lokalen, meist schrumpeligen Dinger viel besser und aromatischer schmecken als die fotogen glänzende Importware die hauptsächlich wässrig schmeckt.         

Am Nachmittag des 06. Februar 2021 erlebten wir bisher den heftigsten Tag an Bord mit einer Böenwalze, die mit Windstärke acht über uns herfiel. Wir starteten den Motor um das Ankergeschirr etwas zu entlasten, während bei unserer Polizeistation ein Dach der Werkstatt einfach abhob und sich auf und davon machte. Unser Anker hielt und so beruhigte sich der Spuk nach einer knappen Stunde wieder. Als unsere Navigationselektronik dabei hochgefahren war, hatte sich das ganze schon wieder ordentlich beruhigt, wobei unser Windmesser dann nur noch gute 33kn Wind anzeigte.

Wenn wir jetzt aber schon über unseren Ankerplatz jammern, dann wollen wir auch noch einmal erwähnen, daß wir seit einigen Wochen, seitdem der Wind aus westlichen Richtungen weht, wir uns immer wieder mit Nachtwachen quälen. Die Polizei hat direkt neben unserem Ankerplatz eine Mooring, an der seit einiger Zeit eines ihrer kleinen Polizeiboote liegt. Soweit ist alles in Ordnung und bei kräftigen Winden liegt unser Heck ca. 20-25m von der Mooringboje entfernt. Allerdings läßt der Wind in den Abend-/ Nachtstunden in der Regel nach und das Polizeiboot fängt an wie wild Kreise um die Boje zu drehen, während Gegenwind ohne Wind einfach müde über ihrer Kette liegen bleibt. So kommt uns das Polizeiboot in den Nachtstunden, meist gegen Mitternacht, teilweise zum Kuscheln nahe. Das bedeutet für uns aufpassen und in einigen Nächten müssen wir den Motor starten und Gegenwinds Kette über den Grund etwas weiter weg ziehen. Warum ankern wir denn nicht einfach ein paar Meter weiter weg. Wenn das doch nur so einfach wäre – zum einen ist der Ankergrund voll mit irgendwelchem Schrott, den wir hier inzwischen in Gedanken schon so einigermaßen eingeordnet haben und zum anderen ist der Platz ziemlich begrenzt, denn bei Winddrehern brauchen wir auch genug Platz in die andere Richtung. Bei 17 Metern Wassertiefe nutzen wir 50m Ankerkette und brauchen damit einen Drehradius von ca. 50m für unseren Ankerbereich und das ist mit ein paar Mooringplätzen für Motorboote sowie Riffen vor und hinter uns überall eng. Außerdem spricht ein ganz wesentlicher Punkt für unser Ausharren: Bei unserem jetzigen Ankerplatz wissen wir aus Erfahrung, das der Anker auch bei starken und stürmischen Winden aus den verschiedenen Richtungen hält und das wollen wir nicht aufs Spiel setzten – das Grundeisen ist nach der langen Zeit hier schön fest eingegraben. Und so gehen wir halt bei einigen Wetterlagen unsere Nachtwachen und jammern darüber.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Freunde und das mit der Schlange und dem Kaninchen

Unter Freunden
Unter Freunden

So langsam drück uns die Wartezeit doch tiefe Spuren ins Sitzfleisch. Die Aussichten für dieses Jahr sind alles andere als klar und so bleibt uns nur die Ungewißheit über unsere Zukunft. 
Zum Glück aber ist innerhalb Timor-Lestes weiterhin alles normal und wir können unter Menschen. Sobald wir an Land kommen nutzen wir die Möglichkeit auch so gut es geht – die meisten Freunde müssen allerdings arbeiten. Aber den einen oder anderen treffen wir beim Einkaufen und klönen eine Zeitlang, andere treffen wir während unserer Gänge durch Dili und bleiben im Schatten stehen um mal wieder Neuigkeiten auszutauschen und immer wieder machen wir neue Bekanntschaften auf der Straße, die einfach nur mal ein paar Worte auf Englisch mit uns wechseln wollen.

Vor einer guten Woche waren wir zum Lunch bei José zu Hause mit leckerem lokalen Essen eingeladen. Und einen Nachtisch, eine typisch europäische Speise mit tropischer Komponente, nämlich  Kaiserschmarren mit Mango-Mus, hat Asha beigesteuert. Wir hatten einen super Klönschnack, der uns allen einige neue Eindrücke gebracht hat, denn wer trifft schon mal ein paar Langzeitsegler auf Weltumsegelung?
Auch für uns bot der private Nachmittag tolle Eindrücke in die Entwicklung unseres Gastlandes. Unser Freund und Gastgeber José Ramos-Horta ist nämlich ehemaliger Staatspräsident von Timor-Leste und Friedensnobelpreisträger.

Seit einigen Tagen sitzen wir allerdings wieder einmal an Bord fest und verfolgen die Wettervorhersagen wie ein Kaninchen, das die Schlange vor dem Bau anstarrt. An der australischen Nordküste brauen sich einige Zyklone zusammen, die unser Wetter hier ungemütlich und unberechenbar werden lassen. Die ersten Vorhersagen sprachen von auflandigen Winden mit Windstärke 8-9 in Böen und bis über 1,6m hohen Wellen. Zurzeit beruhigt sich die Vorhersage in den Berichten allerdings wieder etwas und verspricht nur noch Windstärke 7 in Böen für die kommenden Tage.    

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Haksolok Tinan Foun!!!

Auch dieses Jahr das alljährliche Silvesterfeuerwerk
Auch dieses Jahr das alljährliche Silvesterfeuerwerk

Wir wünschen Euch allen ein „Frohes Neues Jahr“ oder wie es in Tetun, der hiesigen Sprache heißt „Haksolok Tinan Foun!“

Die Feiertage haben wir nun überstanden und weiter geht es im neuen Jahr!

Die Weihnachtsfeiertage waren irgendwie mißglückt, da wir vor Weihnachten aufgrund des Wetters nahezu vierzehn Tage an Bord festsaßen und selbst am Heilig Abend kein Landgang drin war. Eine Woche vor dem Fest gelang es uns zwar einmal an Land zu kommen um wenigstens unseren Zahnarztkontrolltermin wahrzunehmen und neues Trinkwasser zu kaufen aber dafür war unsere Rückkehr an Bord nicht so ganz einfach. Als wir das erste Mal vor unserem Dingi standen um zurück zu paddeln, waren die Wellen am Strand für unseren Dingi- Einstieg viel zu hoch und sie brachen sich dabei auch noch. Außerdem wehte es zu stark zum Übersetzen. So zogen wir uns in unseren Wartebereich bei Burger King zurück. Als dann endlich Wind und Wellen nachließen, begann es wie aus Kübeln zu schütten und wir warteten weiter. Letztendlich hingen wir vier Stunden mit den Nasen an der Fensterscheibe und es hörte trotzdem nicht auf zu regnen. Unser Wartebereich schloß nun allerdings leider die Türen, so daß wir doch durch den Regen nach Hause zogen. Pitschnaß kamen wir auf Gegenwind an. Bei der Luftfeuchtigkeit brauchten wir zwei Tage, um die durchweichten Rücksäcke und unsere Sachen wieder zu trocknen. 

Da wir für die Weihnachtsfeiertage keine frischen Lebensmittel für unser Festessen besorgen konnten, dachte Asha sich ein Essen mit Bordmitteln aus: Linsenbratlinge, Kartoffelpüreeknödel und den seit einem Jahr gesicherten Rotkohl.

„Gruß an Bord“, die Weihnachtskultsendung im NDR-Info Rundfunk gehört bei uns zu Weihnachten jedes Jahr dazu. Natürlich konnten wir die Sendung auch dieses Jahr wieder nicht live verfolgen, da das Internet hier dabei so seine Schwächen hat, so daß wir wieder einen guten Freund baten die Sendung für uns aufzunehmen und uns rüberzuschieben. So genossen wir das Hörvergnügen halt nachträglich. Übrigens: Wer unsere Stimmen mal hören möchte, kann das im Teil 2 der „Gruß an Bord“ Sendung erleben (im letzten Viertel der Sendung): NDR Info – „Gruß an Bord“ Teil 2

Ab dem ersten Weihnachtsfeiertag konnten wir dann endlich wieder ohne Probleme an Land und damit auch zu einem deutschen Weihnachtstreffen mit Kind und Kegel und vielen Leckereien, die von allen zusammengestellt wurden.
Seitdem hat sich das Wetter, zumindest Wind und Wellen, wieder soweit beruhigt, das wir nur noch mit den unberechenbaren Starkregenschauern kämpfen müssen um nicht wieder völlig aufzuweichen, wenn wir an Land sind. So haben wir die Tage genutzt um einige Freunde zu besuchen oder zu treffen.
Den Jahreswechsel hatten wir mit einer Flasche Wein und dem deutschen TV-Klassiker „Dinner for One“ an Bord verbracht und uns das alljährliche, bunte Feuerwerk über Dili angeschaut.

Seit einigen Tagen haben wir hier jetzt, wir nennen es,  präventive Corona- Schutzmaßnahmen, denn an der Grenze sind bei der Einreisequarantäne einige positive Corona-Fälle aufgetreten und die Regierung tut alles um die Bevölkerung vor dem Einschleppen von Corona zu schützen. So heißt es hier jetzt vorbeugend Masken tragen, Abstand halten, Hände waschen und außerdem sind Treffen außerhalb der Familie nur noch mit maximal zehn Personen gestattet. Die Grenzen sind wieder geschlossen und Gottesdienste und Großveranstaltungen nicht erlaubt bis man sich ganz sicher ist das alles weiterhin in Ordnung ist. 

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Ein bisschen anstrengend langweilig!

Zyklonvorhersage: www.cyclocane.com vom 19.12.2020
Zyklonvorhersage: www.cyclocane.com vom 19.12.2020

Die Weihnachtsfeiertage rücken näher. In Deutschland sowie in anderen Ländern geht ihr in den Lockdown für die Feiertage, während es hier bei uns so aussieht als können wir zu Weihnachten doch wieder an Land. Aber das hat bei uns nichts mit Corona zu tun, denn Timor-Leste ist immer noch Corona-frei! Hin und wieder wird mal ein einzelner Einreisender während der Quarantäne im Corona-Hotel positiv getestet aber dann sofort isoliert und betreut, so daß bisher kein Fall diese Hürde überwinden konnte. Die Einreisen sind allerdings auch ziemlich beschränkt und mal eben einen Flieger für Jedermann buchen geht auch nicht.
Trotzdem verbringen wir gerade mal wieder eine Woche nur an Bord, denn Wind und Wetter halten uns fest, da vor Australiens Nordküste ein Zyklon am Entstehen ist und der trägt seine Auswirkungen mit viel Wind und hohen Wellen bis zu unserem Ankerplatz. Zum Glück haben sich die Wetterprognosen, die wir vor einer Woche gesehen hatten deutlich zu unseren Gunsten verbessert aber es ist trotzdem ungemütlich an Bord. Es ist fürchterlich schwül-heiß, wir schaukeln immer wieder kräftig und der Wind zerrt ordentlich an Gegenwinds Ankerkette und unseren Nerven. Zurzeit versprechen uns die Wetteraussichten aber in den kommenden Tagen wieder die Möglichkeit zum Landgang – noch rechtzeitig vor Weihnachten!

Wir hoffen nur das wir dann erst einmal wieder Ruhe haben vor weiteren Wetterunbilden, denn es ist auf Dauer echt mühsam gleich nach dem Festsitzen an Bord alles schnellstens wieder aufzufüllen für die nächste reine Bordphase. Aber das werden wir wohl noch bis Mitte kommenden Jahres ertragen müssen, denn passende Segelwinde für unseren Weg nach Malaysia können wir erst ab frühestens Mai erwarten und was aus den Corona- Maßnahmen und den noch geschlossenen Grenzen wird, werden wir wohl hoffentlich zu Beginn des nächsten Jahres erfahren. 

Wir wünschen Euch ein gesundes und besinnliches Weihnachtsfest!

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Mal was ganz Anderes!

Hausfassade

Hausfassade

Wer auf einer Reise sooooooooo lange an einem Ort bleibt, der entdeckt auch mal weniger auffällige Seiten des Gastlandes.
Timor-Leste hat eine coole Kunstszene und wer genau hinguckt der entdeckt in Dili an den verschiedensten Orten Wandmalereien, die nicht einfach so dahingeschmiert sind sondern ein Stück aus dem Leben oder der Geschichte zeigen oder sich mit dem Leben und der Umwelt beschäftigen.

Vor ein paar Tagen haben wir eine Kunstwerkstatt aufgesucht und mit zwei der Künstler gesprochen. Rocky und Andre zeigten uns ihre Galerie und gaben uns eine persönliche Führung. Sie erklärten uns stolz, daß die Straßenbilder von Künstlern aus der Kunstwerkstatt geschaffen wurden. Eine wesentliche Aufgabe der Kunstwerkstatt ist auch die Kunstausbildung für Interessierte.

In unserem Fotoalbum bekommt Ihr einen Eindruck dieser bunten Gestaltung

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Lagebericht und Aussichten!

Stopp

Stopp

Das Auswärtige Amt zählt Timor-Leste weiterhin zu den Corona-Risikogebieten dieser Welt: Wobei die Definition eines Risikogebietes gemäß Auswärtigem Amt,  bei dem die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten 7 Tagen überschritten wurde, nicht zur Realität hier im Land paßt. Timor-Leste hat 1,26Mio Einwohner („Wikipedia“ Stand: 2018) und zurzeit gerade wieder einen Infizierten, der während der Quarantäne in einem Corona-Hotel positiv getestet wurde und so isoliert seine Zeit verbringt, bevor er richtig in das Land einreist. Insgesamt hat Timor-Leste seit Ausbruch der Pandemie 30 Corona-Fälle (Stand 05.11.2020) davon sind 29 genesen und es gibt keinen Todesfall.

Die Corona-Maßnahmen sind hier im Land inzwischen bekannt, es wird auch immer wieder daran erinnert und wer sich besser damit fühlt, folgt dem auch strikt. Da es im Land keinen Fall gibt, ist das Gefühl hier aber nahezu wie vor Corona, denn das Maske tragen wurde ja auch davor schon von vielen praktiziert und das auch oder sogar gerade beim Joggen. Das Gefühl bestätigen auch die wenigen, die in es von hier aus in ihre Heimatländer geschafft haben und dort mit strengen Corona-Maßnahmen überschüttet werden. Der Flugverkehr aus und nach Timor-Leste ist ja eigentlich bis auf weiteres eingestellt, dennoch gibt es Hilfsflüge für Material sowie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, genauso wie Flüge nach Australien, die von Australiern zumindest in Richtung Australien genutzt werden können. Es ist allerdings für Australier sehr schwierig ihr Land zu verlassen, denn da brauchen sie eine Ausnahmegenehmigung ihrer Regierung. Vor ein paar Wochen gab es einen Flieger von und nach Portugal sowie einen Flieger der Menschen über das Flughafendrehkreuz in Kuala-Lumpur,  Malaysia weiter in ihre Heimatländer gebracht hat.

Für die kommenden Monate haben wir inzwischen endgültig mit unserer Weiterreise abgeschlossen und sind nun dabei unser Leben hier in Timor-Leste so einzurichten, das wir bis voraussichtlich Mai kommenden Jahres unseren Anker im Grund von Dili eingegraben lassen werden.

Nachdem wir die Botschaften von Malaysia, Thailand und Indonesien mehrfach besucht haben und deren Immigrationsbehörden daraufhin zusätzlich direkt angeschrieben hatten, steht nun fest, daß das Einreisen in diese Länder vor dem Wechsel der Monsunzeit für uns nicht mehr möglich ist. Für Thailand heißt es dabei, das die Öffnung nicht vor kommendem Jahr oder vielleicht sogar erst nach Einführung von Impfungen geschehen kann. Laut Sozialen Medien wird allerdings inzwischen wieder über neue Einreisemöglichkeiten trotz Corona gesprochen, was aber von der Thailändischen Botschaft hier in Dili bisher nicht bestätigt wurde. Malaysia bleibt vorerst bis Ende des Jahres für Segler geschlossen und Indonesiens Behörden antworten gar nicht erst, während zwei Marinas in den Sozialen Medien wiederholt widersprüchliche Meldungen zu Einreisemöglichkeiten liefern und damit für uns keine vertrauenswürdigen Aussagen darstellen.

Timor-Leste mit seinen Menschen und Behörden ist super freundlich zu uns. So haben die Polizisten der Policia Maritima hier in Dili, vor deren Stützpunkt wir ja ankern und unser Dingi auf deren Hof parken, uns in „ihre Familie“ aufgenommen. Sie haben jetzt angefangen uns Tetum, die lokale Sprache beizubringen – zumindest ein wenig aber dafür mit viel Spaß bei unseren ersten Versuchen, während die Polizisten dafür mit uns ihr Englisch verbessern.         

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Partytime

Festgelände vor unserer Nase

Festgelände vor unserer Nase

Manchmal ist hier in Timor-Leste auch richtig was los!

Der Weltfriedenstag wurde gefeiert. Dazu war die Hauptstraße an der Wasserfront für Spielmannsumzüge gesperrt und auf dem Gelände der Policia Maritima, direkt vor unserer Nase waren Stände und eine Bühne aufgebaut. Da war was los!

Eine Woche lang fand das Dili International Filmfestival hier statt. Am Mittwoch den 7.Oktober 2020 gab es dazu den Deutschen Abend direkt am Strand. Dabei haben wir die Gelegenheit weitere Deutsche, die uns hier noch nirgendwo über den Weg gelaufen sind, kennenzulernen. Außerdem gab es ein leckeres deutsches Abendessen, wir hatten Gulasch und Nudeln und einen noch leckereren von der Organisatorin selbstgemachten Apfelstrudel als Nachtisch. Anschließend gab es eine Videobotschaft vom Deutschen Botschafter für Indonesien und Timor-Leste. Er konnte aufgrund der Corona-Einschränkungen im Flugverkehr nicht Vorort sein. Und dann folgte der deutsche Film: „Kirschblüten und Dämonen“ in deutscher Sprache mit englischen Untertiteln. Der Film ist echt typisch deutsche, schwere Kost. Die Leinwand hatte eine superklasse Position, direkt im Meer mit dem Sonnenuntergang als Hintergrund.    

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Trinkwasser ein Luxusgut? Teil 2

Brauchwasserflasche, Margarinetopf mit Waschlappen und Handdesinfektion

Brauchwasserflasche, Margarinetopf mit Waschlappen und Handdesinfektion

„2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. … Dabei sind mehr als zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt, allerdings sind nur 0,3 Prozent davon trinkbar. Und dieses Trinkwasser ist zudem sehr ungleich verteilt.“ (Quelle: Unicef, Weltwassertag 2020)

Was bedeutet die Trinkwassersituation jetzt hier aber für uns?

Wir haben unseren Wasserverbrauch ständig im Blick und sind gefühlt immerzu am Laufen um Wasser zu beschaffen. Dazu paddeln wir hier ca. 150m in unserem Dingi, ausgerüstet mit einem dieser 19l Kanister und einigen 5l Flaschen an Land, dann laufen wir einen guten Kilometer mit dem leeren 19l Kanister sowie den Flaschen in unseren Rucksäcken zu unserem Trinkwasser-Supermarkt. Dort kaufen wir einen 19l Kanister, füllen zwei 5l Flaschen davon ab, verstauen die wieder in unseren Rucksäcken, so daß jeder von uns ca. 10 Liter auf dem Rücken zurück zum Dingi schleppt. Je nach Wind, Wellen und Notwendigkeit schnappen wir uns dann noch ein paar weitere 5 l Kanister um den Gang zu wiederholen und die Kanister in unserem Dingi zwischenzulagern oder uns reicht ein Gang, den wir zu Gegenwind paddeln und an Bord wuchten. Die Herausforderung für das Stückchen mit dem Dingi sind Wind und Wellen. Weht der Wind zu heftig können wir den Rückweg zu Gegenwind vergessen, denn gegen zu viel Wind können wir nicht anpaddeln, so daß wir bis in die Abendstunden warten müssen. Sind die Wellen zu hoch, brechen sie am Strand, an dem wir mit unserem Dingi ins Wasser müssen, so daß wir erst recht mit der schweren Wasserlast nicht durch die Brandung kommen, auch dann müssen wir warten, auf den richtigen Gezeitenstand. Wenn Gegenwind dann noch im Schwell wie verrückt tanzt, wird auch das an Bord hieven der Wasserkanister aus dem ebenfalls tanzenden Dingi zu einem Balanceakt zwischen Festhalten und Rucksäcke an Bord wuchten. Bisher haben wir hier auf diese Art inzwischen 108x19l= 2052 Liter Trinkwasser also gut zwei Tonnen auf unseren Schultern und per Schlauchboot an Bord geschleppt (Zeitraum 27.12.2019 bis 05.10.2020). Den größten Teil des Trinkwassers verbrauchen wir auch tatsächlich zum Trinken, pro Tag ca. 5-7Liter je nach Temperatur. Der Rest verteilt sich aufs Kochen und Zähneputzen.

Neben dem Trinkwasser haben wir noch eine zweite Wassersorte an Bord. Unser Brauchwasser besorgen wir an einem der frei zuganglichen Wasserhähne in eineinhalb Liter Flaschen, die wir bei unseren Landausflügen füllen und somit keine Extrawege auf uns nehmen. Zu der Menge haben wir keine detaillierten Aufzeichnungen.
Eine eineinhalb Liter Brauchwasserflasche reicht meist zwei Tage für Abwasch sowie Körperreinigung mit Waschlappen für uns beide. Das sind sechs Margarinetöpfchen mit je 250ml Brauchwasser. Wobei in der Regel pro Tag ein Margarinetöpfchen für den Abwasch zur Verfügung steht und jeder von uns dann pro Tag ein Margarinetöpfchen für sich nutzen kann.

Zum Jahresbeginn gab es hier saisonbedingt immer mal einen Schauer, so daß wir uns prima zum Duschen in eine echte Regendusche an Deck stellen konnten und das kühle Naß genießen durften. Da es seit Monaten aber nun schon knochentrocken ist, bleibt der Margarinetopf mit Waschlappen unsere abendliche Erfrischung. Für Gegenwind bleibt da nix übrig, sie liegt inzwischen unter einer klebrigen Ruß- und Staubschicht, denn das ölige Hafenwasser wollen wir ihr nicht antun, genauso wie wir hier nicht ins Wasser springen, denn die Abwasser der Stadt und aus dem Gewerbehafenbetrieb werden hier irgendwie eingeleitet.
Über unsere Toilettenspülung müssen wir uns zum Glück keine Gedanken machen, denn da können wir das Seewasser nutzen.

Bei Gegenwinds Innereinigung verzichten wir nahezu komplett auf Wasser und verwenden stattdessen Essig, so bekommen wir auch gar nicht erst Probleme mit Schimmel oder Spark.

Weitere Wassersparmaßnahmen haben wir für die Händehygiene etabliert, denn da verwenden wir Händedesinfektionsmittel und auch beim Rasieren wird Wasser gespart, mit Hilfe eines elektrischen Trockenrasierers.

Bei dem Wort Dusche fangen unsere Träume an in schillerndsten Farben von den verschiedensten Möglichkeiten und Varianten zu kreisen! Zum Glück kennen wir hier inzwischen auch einige supernette Leute die unsere Träume von Zeit zu Zeit erfüllen und uns damit einen echten Luxustag bescheren! 

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Trinkwasser ein Luxusgut? Teil 1

Trinkwasserversorgung

Trinkwasserversorgung

Seit ca. neun Monaten halten wir uns nun in Dili, Timor-Leste auf.
Ein wesentlicher Punkt unseres täglichen Lebens hier besteht aus der Trinkwasserbeschaffung, denn seit erreichen Französisch Polynesiens ist unser Wassermacher in den Streik gegangen und produziert nur noch Salzwasser. Bei der Beschaffung von Ersatzteilen streiken wir aufgrund des hundsmiserablen Service des Herstellers.

So hatten wir viele Reiseziele so ausgesucht, daß wir unsere Wasserversorgung vor Ort gewährleisten konnten oder nur kurzzeitig geblieben sind. Beschreibungen von Seglern, die ihre Tanks immer wieder ausreichend mit Regenwasser füllen konnten, können wir nicht bestätigen. Ja, abhängig von den Jahreszeiten und Orten kamen auch wir mal in den Genuß Regenwasser tankfüllend nutzen zu können aber das waren bisher die Ausnahmen: Wie in Bocas del Torro, Panama, dort füllten wir während der Hurrikan Zeit unsere Trinkwasservorräte immer wieder mit Regenwasser auf. Beim Vorbeizug von Hurrikan Otto konnten wir innerhalb weniger Stunden den Tank von 250l komplett füllen. Außerdem konnten wir während der Zyklon Zeit auf den Marquesas, Französisch Polynesien und in Savusavu, Fidschi ein paar Mal Regenwasser sammeln. Das war es dann aber auch schon. Hätten wir uns darauf verlassen, gerade während der Wintermonate, wäre unser Tank trocken geblieben.

Unsere Trinkwasserbeschaffung hier in Dili, Timor-Leste ist schon ziemlich anspruchsvoll. Als wir Ende Dezember 2019 hier ankamen, bekamen wir immer mal wieder einen Regenschauer ab, bei dem wir auch etwas Regenwasser sammeln konnten. Das Wasser eignete sich aber nicht zum Trinken, denn bedingt durch die Luftverschmutzung war zu viel Dreck in dem Wasser aber immerhin konnten wir es zum Waschen, Abwaschen oder zum Putzen verwenden. Seit März allerdings ist hier kein Tropfen mehr gefallen. Die Landschaft ist inzwischen auch ziemlich braun und staubtrocken geworden. So schleppen wir jeden Tropfen Wasser an Bord.

Die Wasserversorgung hier in Dili befindet sich in der Entwicklung. Es gibt vielfach ein Wassernetz, das aber üblicherweise kein Trinkwasser, sondern lediglich Brauchwasser liefert. Es ist auch bei weitem nicht jeder an dieses Netzt angeschlossen. Öffentliche Wasserhähne für einen Zugang zu diesem Wassernetzt sind selten in der Stadt, wir haben drei richtige Wasserhähne in unserer näheren Umgebung in je ca. 1km Entfernung gefunden. Außerdem sehen wir immer wieder angezapfte Leitungen an denen sich Menschen ihr Wasser in Kanister für zu Hause abfüllen und teilweise mit vollgeladenen Pickup-Ladeflächen wieder ab düsen. Außerdem werden diese Zapfstellen auch zum Wäsche waschen oder für die eigene Körperhygiene und zum Zähneputzen verwendet. Die kleineren Kinder werden meist nackt gewaschen, wobei die Kleidung gleich mit gespült wird, während die Erwachsenen sich dort voll angekleidet abspülen und schrubben. Einige Haushalte haben für die Wasserversorgung große Kunststofftanks neben ihre Häuser gestellt, die dann von Tankwagen gefüllt werden.

Für Trinkwasser gibt es hier ein Trinkwasser Kanister-System, bei dem man 19l Kanister kauft und diese im Kreislauf leer abgibt, um volle mit nach Hause zu nehmen. Ein Kanister kostet knapp 10USD während eine Füllung bei ca. 1USD liegt. Die Preise liegen ja nach Betreiber des Systems um plus minus 0,10USD. Es können sich aber nicht alle hier dieses saubere und teure Trinkwasser leisten, so daß wir auf der Straße auch schon mal, gerade von Kindern, auf unsere Trinkwasserfaschen angesprochen werden.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Seglers Freiheit mal anders

Die Corona-Zeit wird langsam anstrengend, denn wir stecken nun schon seit gut acht Monaten auf unserem „etwas unkomfortablen“ Ankerplatz in Dili, Timor-Leste fest.
So besteht unser Alltag hauptsächlich aus warten, informieren, grübeln und nichts ist wirklich planbar – so hatten wir uns dieses Jahr echt nicht vorgestellt! Und es ziehen weitere, düstere Wolken heran!

Es ist ja nicht so, das wir gar nichts zu tun haben aber es bleibt im wesentlichen beim Festsitzen und Warten, Ideen sammeln und verwerfen sowie aktuelle Infos verfolgen und nebenbei Gegenwind und uns am Leben erhalten.

Außerdem läßt der Südwinter so langsam erkennen, daß er zu Ende gehen möchte und das bedeutet natürlich auch einen Wetterwechsel. Die Winde die jetzt noch günstig für unsere Weiterreise wehen, werden nicht ewig durchhalten – genaugenommen müssen wir bis Ende September aufbrechen wenn wir dieses Jahr noch weiter wollen – und da sind die düsteren Wolken! 
So haben wir inzwischen Kontakt mit den Malaysischen und Thailändischen Behörden aufgenommen und inzwischen auch Antworten erhalten:

  • Thailand hat uns bisher eine Absage für eine Einreise auf unbestimmte Zeit erteilt.
    In den Gerüchten heißt es, die gilt bis zur Implementierung einer Impfung, wobei in Phuket aber über die Öffnung einiger gezielter all-inclusive Luxushotelresorts nachgedacht werden soll.
  • Malaysia prüft unsere Anfrage immer noch aber wenn das doch noch etwas werden soll, dann nur mit einer Sonderausnahmegenehmigung, denn Touristeneinreisen bleiben vorerst bis Ende Dezember untersagt. Wir wurden in der Botschaft auch schon gefragt ob wir nicht einen Plan B hätten… . – Die sind echt lustig!
  • Auch Indonesien haben wir inzwischen ein weiteres Mal auf den Prüfstein gelegt und dort stehen nach unseren Informationen zwei Marinas offen aber die bieten nur ein 30Tage-Visum, das nicht verlängert werden kann – wohin sollten wir denn danach? – uns DREI in Luft auflösen? Das kommt also nicht in Frage.  
  • Australien hält die Grenzen für Einreisende weiter strikt geschlossen. Und Australier dürfen ihr Land nur mit Sondergenehmigung verlassen – also ist Australien wieder zu einer „Gefängnisinsel“ geworden. So fing doch die australische Geschichte mal an?!
  • Richtung Südafrika haben wir für uns bisher ausgeschlossen, denn wir wollten vor dem nächsten großen Ozeantrip noch einmal schnell in die Werft und das Unterwasserschiff bearbeiten sowie ein paar Seekarten und ein neues Großsegel in Malaysia oder Thailand an Bord holen.

So gehen uns gerade die Segel- Optionen aus, denn einfach so losfahren mit der Hoffnung, das muß schon gehen – ist nicht so unser Ding, denn da steht die konkrete behördliche Drohung im Raum, daß wir nur für ein paar Stunden zum Übernehmen von Diesel und Wasser anhalten dürfen und dann weitergeschickt werden.
So bleibt uns wohl nur die Gastfreundschaft der Timoresen weiter in Anspruch zu nehmen, die uns hier bisher freundlich und hilfsbereit verweilen lassen!

So ist die Freiheit der Meere zurzeit wohl dahin!
Oder wie ein anderer festsitzender Segler sich gerade schon fragt: „Are we sailing the „square riggers“ of the future?“

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Alltagsgeschichten

Kurz vor Niedrigwasser laufen die Wellen gegen unser schützendes Riff

Kurz vor Niedrigwasser laufen die Wellen gegen unser schützendes Riff

Die Menschen hier in Timor-Leste sind echt nett und kontaktfreudig, so daß unser Freundes und Bekanntenkreis wächst und gedeiht!

Zurzeit sitzen wir allerdings mal wieder auf Gegenwind fest und können leider niemanden davon treffen. Seit einer guten Woche lassen uns Wind und Wellen nicht mehr von Bord. Mit Windstärke sechs pustet der Wind von See kommend aus östlichen Richtungen teils unberechenbar über den Ankerplatz, dazu kommen noch die Wellen, die bei Hochwasser heftig über das Riff schwappen und dabei teilweise eine Wellenhöhe von einem halben Meter erreichen, so daß wir wie Milchshakes durchgeschüttelt werden. Das Leben an Bord ist so echt beschwerlich, heftiger als beim Segeln, denn da wird Gegenwind ja noch vom Segel gestützt. So müssen wir uns jetzt beim Bewegen an Bord abstützen und festhalten um nicht ebenfalls herum zu purzeln. Ein paar blaue Flecken haben wir uns auch schon zugezogen und unsere Füße sind echt in Gefahr, wenn wir zu dicht beieinander stehen, denn da treten wir uns schon brutal auf die Zehen beim Gleichgewicht halten oder stolpern. Selbst das Sitzen geht nicht ohne sich einzuklemmen oder abzustützen. Die Computerarbeit wird dabei zum Kampf um weder den Laptop vom Tisch fliegen zu lassen oder selber die Balance zu verlieren. Und wer jetzt an eine ruhige Nachtruhe glaubt, der irrt sich gewaltig. Wir wachen häufig auf, weil einer sich gerade mal wieder die Schulter verdreht hat und stöhnt oder der andere über einen schmerzenden Nacken klagt. Nicht zu vergessen sind natürlich die Moskitos, die zum Nachtleben dazugehören und zusätzlich ihr Plagewerk verrichten. Bei dem schaukeln haben wir auch schon einige T-Shirts im Liegen durchgescheuert.

Aber trotz des Schaukelns beschäftigen wir uns tagsüber mit Näh- und Flickarbeiten, denn unser Schlauchboot braucht ein neues Mäntelchen als Sonnenschutz, da das alte durch Sonne und Seewasser inzwischen in seine Bestandteile zerfallen ist, außerdem kreiert Asha gerade neue Handytaschen mit Stoff- und Polstereinlage sowie wasserfestem PVC-Mantel, zusätzlich nehmen wir Schuhreparaturen vor und versehen die verschiedensten Kleidungsstücke mit Flicken um nicht irgendwelche „Einmalkleidung“ kaufen zu müssen – das alles natürlich von Hand, denn wir haben ja keine Nähmaschine an Bord.

Unsere Akrobatik beim Kochen dürfen wir selbstverständlich auch nicht verschweigen, denn da landet schon mal ein Ei, das eigentlich in einem tiefen Teller zum Braten vorbereitet werden soll auf dem Herd oder dem Fußboden und nicht in der Pfanne während einer von uns vor der Pantry sein ungewolltes Schaukel-Tänzchen aufführt und dabei versucht die Zutaten sowie die Kochutensilien akkurat zu jonglieren – vielleicht müssen wir ja auch nur noch etwas mehr üben.
Laut Wetterbericht werden wir wohl noch eine weitere Woche durchhalten müssen. Dann hoffen wir auf etwas Besserung.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Und täglich grüßt das Murmeltier

Fischerboot am Strand

Fischerboot am Strand

Uppsss – und schon wieder ist mehr als ein Monat vorbei. Wo bleibt nur die Zeit?
Aber vielleicht rauscht die Zeit ja einfach so weiter, weil die Tage in Ungewißheit in einer relativen Routine halt so vergehen?!

Die vergangenen Wochen waren für uns nur gefüllt mit unserem üblichen Alltag: Alle paar Tage Trinkwasser und frische Lebensmittel besorgen, mit unserer stetig wachsenden Freundesgemeinde kommunizieren, denn wir werden fast überall auf den Straßen wiedererkannt, die letzten uns unbekannten Straßen oder Wohngebiete in Dili zu Fuß erkunden, unsere „Lieblingslokale“ ab und an mal aufsuchen und nicht zu vergessen immer wieder tageweise an Bord bleiben, da Wind und Wellen uns auf Gegenwind fesseln. Inzwischen hatten wir auch ein zweites Mal einen Taucher für Gegenwinds Ankerkette, da die sich wieder einmal mit irgendwelchem Kram am Grund vertüddelt hatte. Diesmal kam ein anderes Tauchergespann, da die Taucher, die wir beim ersten Mal hatten ihren Preis um einhundert Prozent erhöht hatten.

Eine Neuerung allerdings gibt es, denn seit ein paar Tagen haben wir Visa-Stempel in unseren Pässen. Mit dem Ende des ersten „state of Emergency“ (Notstands) ende Juni mußten wir uns um unsere Aufenthaltsverlängerung kümmern. Letzte Woche bekamen wir unsere Pässe dann mit dem Visumstempel zurück. Unser Ansprechpartner bei der Immigrationsbehörde kümmert sich prima um uns. Aber der Berg, der auf einen Schlag angefallenen Visumanträge war doch ziemlich hoch für die Beamten, so daß das ganze Verfahren mit den Corona-Unsicherheiten sich doch ordentlich hingezogen hatte. Bei der Immigrationsbehörde kennt man uns inzwischen schon und so freuen wir uns auch gerne mal auf einen Klönschnack mit den Beamten und wenn gerade ein paar Erdnüsse herumgereicht werden, dürfen wir auch zulangen.
Die Visa laufen aber auch in einigen Tagen schon wieder ab – ein Monat ist halt keine Ewigkeit, so daß wir die Prozedur dann wieder von neuem starten müssen – vielleicht!
Hier in Timor-Leste wurde ein neuer „state of emergency“ gestartet, der nun erst einmal bis zum 4. September 2020 gelten soll, so daß wir mal gespannt sind, welchen vielleicht aufschiebenden Einfluß das wieder auf unsere Visa haben wird.

Der neue „state of emergency“ soll Timor-Leste vor dem Einschleppen des Corona-Virus schützen, so daß im Wesentlichen der Grenzverkehr betroffen ist. Vor knapp einer Woche gab es hier einen neuen Corona-Fall. Ein Einreisender aus Indonesien wurde positiv auf den Virus getestet während seiner 14-tägigen Quarantäne.
Hier in Dili geht das Leben also wie gewohnt weiter. Ein paar mehr Menschen tragen Masken, in vereinzelten Supermärkten wird das Maskentragen sogar verlangt, Händehygienemöglichkeiten sind wieder vermehr verfügbar und wenn man sich unsicher ist, wird auch der Abstand wieder etwas größer. So etwas wie in Deutschland, daß man sich im Restaurant anmelden muß und seine Daten zu hinterlegen hat, haben wir hier noch nicht kennengelernt. Timor-Leste hat es bisher super hinbekommen Corona-frei zu bleiben!
Laut Auswärtigem Amt ist Timor-Leste allerdings ein Corona-Risikogebiet. Damit widersprechen die Aussagen des Auswärtigen Amtes ihren eigenen Regeln für die Ausweisung von Corona- Risikogebieten. Naja, es ist ja aber sowieso nahezu unmöglich als Urlauber aus Deutschland hierher zu gelangen, denn es fehlen schließlich die Flugverbindungen.

Wenn wir jetzt schon mal über das Reisen reden, dann dürfen wir natürlich unsere Weiterfahrt nicht auslassen. Ja, irgendwann wollen wir auch mal weiter, obwohl Timor-Leste uns so nett aufgenommen hat. Also hier die Fakten: Unser nächstes Reiseziel soll Malaysia auf direktem Weg sein. Die Segelsaison für eine solche Fahrt endet wie jedes Jahr mit dem Monsunwechsel spätestens Anfang Dezember und wir planen für die ca. 1700sm 4-6 Wochen Segelzeit ein. Unsere Idee ist es Ende September in Dili den Anker zu lichten. Vor Corona hätten wir uns weiter keine Gedanken machen müssen. Nun kommen aber die ganzen Unsicherheiten und Regelverschärfungen der Corona-Zeit dazu. Malaysias Grenzen sind noch mindestens bis zum 31. August 2020 Corona- bedingt für Touristen geschlossen. Für unserer Einreise nach diesem Datum benötigen wir zurzeit nach offiziellen Angaben die Zustimmung der Malaysischen Immigrationsbehörde, zusätzlich ein Schreiben der Malaysischen Botschaft vor unserer Abfahrt, das uns die Einreise freigibt, das aber nur eine vierwöchige Gültigkeit hat, eine Malaysische Handy- App die wir vor Reiseantritt installieren und freigeben müssen, einen Malaysischen „Sponsor“ (Bürgen) und zusätzlich haben wir bei unserer Ankunft mit einer vierzehntägigen Quarantäne zu rechnen, das evtl. auch fern von Gegenwind, wobei ein nicht ganz unerheblicher Teil an Hotel- und Hafenliegekosten zu erwarten ist. Und dann ist noch völlig unklar wie lange wir in Malaysia bleiben dürfen. Mit diesen Anfangsdaten stehen wir nun in direktem Kontakt zur Malaysischen Botschafterin hier in Dili um zu sehen wie wir das überhaupt schaffen können.
Drückt die Daumen und dann schauen wir mal was das Murmeltier draus machen wird!

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Nichts Neues aus Südostasien

Hochkonzentriert extra für die Kamera

Hochkonzentriert extra für die Kamera

Wir stecken immer noch in Dili fest, wir kämpfen immer noch mit den unangenehmen Bedingungen von Wind und Welle an unserem Ankerplatz oder wenn das Wetter besser ist, treiben wir uns in Dili herum – wir kennen inzwischen wohl so ziemlich die allermeisten Straßen, Wege und Plätze der Hauptstadt. Wenn es uns dabei in etwas abseits gelegene Straßen verschlägt, kommen uns auch schon mal Horden von Kindern „Malae, Malae (Ausländer, Ausländer)“-rufend entgegengerannt und klatschen uns strahlend, lachend, kichernd und plappernd ab. Wir haben immer noch keine wirkliche Planungsmöglichkeit für unsere Weiterreise.

Eine Neuerung allerdings gibt es: Seit dem 28. Juni 2020 ist hier der Corona-Notstand, der „state of emergency“  beendet und wir haben eine Visumverlängerung beantragt. Jetzt warten wir auf das Resultat. Aber mit an Sicherheit grenzender  Wahrscheinlichkeit werden die Visa verlängert, nur wie lange?

Die Grenzen nach Timor-Leste sind irgendwie nicht mehr ganz geschlossen, außerdem gibt es sowieso eigentlich keine Flieger. Nach Darwin, Australien gehen ein paar Versorgungsflugzeuge und Reisende aus Australien können so auch herkommen. Sie müssen vor der Ausreise aus Australien eine vierzehntägige Quarantäne durchlaufen und auch Gesundheitszertifikate haben. Australien selbst hält laut Medien zurzeit seine Grenzen für einreisewillige Nichtaustralier noch bis Ende des Jahres geschlossen. Aus Indonesien können wieder Menschen nach Timor-Leste über einige Grenzübergänge einreisen wobei aber Indonesiens Grenzen noch geschlossen sind?! Es soll in Indonesien inzwischen sogar zwei Marinas für Segler geben in die eine Einreise möglich sein könnte – so ganz sicher sind wir da aber nicht, denn die offiziellen Stellen reden von Crew-Visa ohne ausdrücklich Segler einzubeziehen. Doch die zwei Marinas veröffentlichen das als Möglichkeit für Segler –  wir bleiben da skeptisch. Außerdem steigen zurzeit auch die Fallzahlen in Indonesien drastisch. Malaysia unser nächstes Ziel aber auch Thailand wollen offiziell die Grenzen frühestens Ende August öffnen. So warten wir weiter und lernen dabei viele Menschen besser kennen oder treffen neue. Auch mit dem hiesigen Friedensnobelpreisträger und ehemaligen Präsidenten José Ramos Horta haben wir inzwischen bei einem Klönschnack ein Bierchen zusammen getrunken.

Übrigens das Tragen von Masken ist inzwischen fast so wie vor Corona und auch der Abstand ist hier weiter geschrumpft. Allerdings gibt es immer noch an vielen Stellen die Möglichkeit zum Händewaschen und an einigen wenigen Stellen wird auch weiterhin aktiv dazu aufgefordert, obwohl diese drei Maßnahmen eigentlich über den „state of emergency“ weiterbestehen.

Ach ja, unsere Seglergemeinde ist inzwischen von drei auf zwei Schiffe geschrumpft. Die Sofia do Mar ist vor eineinhalb Wochen aufgebrochen um direkt nonstop nach Réunion (ca. 4000sm) zu segeln – das Französische Überseegebiet läßt Europäische Segler mit vorheriger Anmeldung einreisen. Wir drücken den beiden die Daumen.

Zu guter Letzt hat jetzt auch das Kino mit englischsprachigen Filmen hier wieder geöffnet.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Verlängerung, die Nächste

Ankerkettenbefreiungsaktion mit Taucher

Ankerkettenbefreiungsaktion mit Taucher

Corona hält unsere Seglerwelt weiter fest im Griff. Die Grenzen um uns herum bleiben fest geschlossen.
Hier in Dili freuten sich schon alle auf das Ende des Corona-Notstands im Land zum Ende der ersten Verlängerung Ende Mai. Es gibt ja auch keine wirklichen Fälle mehr. Aber es sollte anders kommen, denn die Regierung entschied sich für eine erneute vierwöchige Verlängerung bis zum 28.Juni 2020. Diese Maßnahme betrifft hauptsächlich einige Grenzgebiete und vor allem die Reisemöglichkeiten. An der direkten Grenze zu Indonesien, auf der indonesischen Seite, sind 10 Corona-Fälle aufgetreten und darüber sollen auf keinen Fall Corona-Infizierte ins Land kommen. Auch der Hafen und der Flughafen bleiben aus diesem Grund weiterhin für Personenverkehr geschlossen. In letzter Zeit sehen wir zwar immer mal wieder vereinzelte Flugzeuge hereinkommen, aber die fliegen nur dringendes Material ein und aus.
In Dili sieht es irgendwie fast aus wie immer, naja fast: Es sind wieder mehr Leute auf der Straße, der Straßenverkehr hat weiter zugenommen, ein paar weitere Restaurants haben geöffnet, Taxen und Microlets, die hiesigen Minibusse fahren wieder vermehrt und es sind wieder mehr Straßenverkäufer mit Obst, Masken, Telefonrubbelkarten und Zigaretten unterwegs. Leider fehlen den Straßenverkäufern die Kunden und so sind sie deutlich hartnäckiger hinter uns her, wenn sie uns auf der Straße entlanggehen sehen. Wir wissen, daß sie nur versuchen ihre tägliche Mahlzeit für sich und ihre Familien zusammenzuverdienen aber trotzdem kaufen wir nur das, was wir wirklich brauchen, denn sonst könnten wir inzwischen einen überquellenden Obststand mit zusätzlichem Masken- und Zigarettenverkauf aufmachen.

Das Leben in Dili normalisiert sich weiter. Eigentlich sollten die Schulen inzwischen wieder geöffnet haben, aber wir haben noch keine nennenswerte Anzahl Schüler mit ihren Schuluniformen auf den Straßen gesehen. Bestehen bleibt weiterhin das Tragen von Masken in Läden und in öffentlichen Gebäuden, genauso wie die Händehygiene und das „social Distancing“, wobei die Masken auch immer häufiger nur unter dem Kinn hängen und das Händewaschen ab und zu mal vergessen wird, oder gar nicht mehr möglich ist, weil man vergessen hat den Wassertank aufzufüllen – aber so schlimm ist das ja nicht, solange keine Reisenden ins Land kommen, die das Virus wieder einschleppen.

Bei einem unserer Spaziergänge zum Einkaufszentrum kam einmal sogar eine wildfremde Frau direkt auf Helge zugestürmt um ihm die Hand zu reichen und mit mehreren Handküssen zu versehen, wie es vielfach für Nonnen und Priester hier üblich ist, bevor sie wieder zurück auf ihren Weg ging. Es ist schon komisch aber wir und da ganz besonders Helge, werden hier ja wie Methusalem betrachtet. Das Durchschnittsalter beträgt im Land 19 Jahre und bei einem Gespräch mit einem „unserer“ Polizisten kamen wir auch mal wieder aufs Alter zu sprechen und für hiesige Verhältnisse ist er mit 30 Jahren schon ziemlich alt und so bestaunt er uns für unsere ganzen Aktivitäten. Ein Kollege hatte uns zu Fuß in ca. 4km Entfernung gesehen und auch unsere Rucksäcke sind in der Regel voll mit Einkäufen wie  20l Trinkwasser und ein paar Lebensmittel die wir zum Schiff schleppen – das verursacht hier echtes Staunen, denn eigentlich fährt man Roller oder Auto – gerade die Weißen und Alten.

Ein Highlight hatten wir am Montag den 25. Mai. 2020. Der Ankergrund auf dem wir ankern ist nicht gerade optimal, denn der Grund ist voll mit Geröll, altem Mooringgeschirr, Teile versunkener Wracks und wer weiß was sonst noch. Mit den ganzen Winddrehern, die Gegenwind mal in die eine, mal in die andere Richtung drehen, hatte sich ihre Ankerkette irgendwo richtig vertüddelt und so hingen wir an einer ziemlich straff gespannten Ankerkette, die Gegenwind bei dem hier durchgehenden Schwell immer wieder heftig einrucken ließ. Zum Glück konnten wir bei kräftigen Winden noch Leine nachgeben. Aus eigener Kraft kamen wir aus dieser Lage nicht heraus, denn auf 17m Wassertiefe kommen wir nicht hinunter. So blieb uns nichts anderes übrig als einen Taucher kommen zu lassen. Der große Tag war dann am Montag den 25. Mai 2020 gekommen. Mit vier Leuten, zwei Aufpassern im Begleitboot und zwei Tauchern rückten sie an. Die beiden Taucher wuselten und blubberten gut eineinhalb Stunden an der Kette in dem Modder herum, bis die Kette von ihrem Metall-Gebilde-Mooring-Leinen-Wirrwarr befreit war. Nun hat Gegenwind endlich ihre 50 m Kette wieder frei, um sich „leichtfüßig“, hüpfenderweise um ihren Anker zu drehen.

Das Hüpfen ist leider wörtlich zu nehmen, denn seit der Wind auf SW, also Wintersaison, gedreht hat, ist der Ankerplatz noch ein Stück anstrengender geworden. Die Wellen rauschen vielfach mit bis zu einem halben Meter über das Riff und bringen Gegenwind entweder zum Wellenhüpfen oder wenn gleichzeitig kein Wind weht, bekommen wir die Wellen auch gerne mal von der Breitseite, so daß wir Drei zu ungewollten Tänzen gezwungen werden – damit bildet sich sogar der Seegrasbewuchs auf Gegenwinds blauer Rumpffarbe bis auf 30-40cm über ihrer Wasserlinie. Außerdem steht inzwischen häufiger ein starker Wind auf das Ankerfeld. Diese Art von Wind und Wellen sind ziemlich Nerv tötend, denn so müssen wir alle unsere Landgänge darauf abstimmen. Bei den Landgängen heißt es dann alle Vorräte wieder aufzufüllen und Trinkwasser zu besorgen, damit wir wieder gut versorgt eine längere Periode ungeplant tagelang an Bord festsitzen können. Gegen zu starken Wind können wir nicht anpaddeln und die Wellen rauschen über das Riff und brechen sich weißschäumend am Strand, so daß sie einen Überschlag mit Kopfstand beim Anlanden oder vielleicht ein Vollbad beim Heimweg androhen. Beides haben wir bisher nur Ansatzweise erlebt aber auf die volle Ladung verzichten wir gerne – da Tanzen wir lieber einen schaukligen DREIER am Anker.            

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Normalität

Bordyoga oder die Welt steht Kopf

Bordyoga oder die Welt steht Kopf

Die Zeit vergeht, während die Corona-Krise das Leben bestimmt. In Timor-Leste wurde der „state of emergency“ bis zum 26. Mai 2020 verlängert. Das war irgendwie ganz komisch, denn die Verlängerung wurde erst nach einem Tag „Freiheit“ verkündet. An diesem einen Tag haben sich ein paar mehr Leute auf die Straßen getraut, bevor dann am Folgetag der Ausnahmezustand fortgesetzt wurde. Das ging alles sehr gesittet ab und seitdem lockert sich das Leben hier stückchenweise ein wenig. Natürlich bleibt das Gros der Menschen zu Hause aber man guckt schon mal vorsichtig auf die Straße, es spielen schon mal wieder vereinzelt Kinder vor den Häusern, einige Restaurants bieten wieder Sitzplätze an und der eine oder andere Laden öffnet seine Türen wieder. Selbstverständlich alles mit den neugewonnenen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, Maskenpflicht beim Einkaufen und Abstandsregeln. Die Grenzen bleiben strikt geschlossen und auch die Nachbarländer haben ihre Grenzen dicht. Flugzeuge sehen wir auch keine mehr über uns rein- oder rausfliegen. Die Versorgungsfrachter legen regelmäßig an und bringen die lebenswichtigen Güter, während der Fährverkehr mit den großen Fähren nur sehr eingeschränkt hauptsächlich Waren zu den entlegenen Gebieten bringt und die kleinen Transportboote ebenfalls tief beladen jeden Tag ihren Warentransport aufrecht erhalten.
Die Corona- Fälle hier im Land sind alle unter Kontrolle und man will definitiv keine neuen Fälle aus anderen Ländern haben.

Für uns ist die Lage zurzeit ungewiß entspannt. Unser Visum ist bis zum Ende des „state of emergency“ ausgesetzt und soll anschließend einfach und kostenfrei verlängert werden, wenn wir weiterhin bleiben wollen. Naja, wo sollen wir auch hin? Unser Ansprechpartner im Immigration Hauptquartier war super hilfsbereit und hatte uns, als denn die Infos offiziell waren, ausführlich informiert und uns darüber hinaus seine Hilfe angeboten, wenn wir weitere Fragen haben. „Timor-Lest ist ja ein kleines Land“ war seine Aussage.

Unsere Landgänge haben sich inzwischen auch deutlich entspannt. Bei unseren Polizisten tragen wir uns am Tor ins Registrierbuch ein, tauschen ein paar Infos oder Scherze aus und machen uns auf den Weg. Außerdem dringen in den Abendstunden inzwischen wieder fröhliche, inbrünstige, schiefe Karaoke-Gesänge von der Polizeistation zu uns an Bord herüber. Leider kommen wir zurzeit trotzdem nicht an Land, denn Wind und Wellen rauschen etwas zu heftig über unseren Ankerplatz, so daß wir damit wieder für ein paar Tage an Bord festsitzen.

Das Timor-Plaza-Einkaufszentrum haben wir mittlerweile auch mit einem langen Fußmarsch aufgesucht. Auf dem Weg dorthin besorgten wir ein paar neue Dieselkanister beim Baumarkt, anschließend aßen wir im Food-Bereich des Einkaufszentrums zu Mittag und auf dem Rückweg schleppten wir 40 Liter Diesel von der Tankstelle zurück an Bord. Außerdem haben wir uns an einem Tag den Luxus gegönnt, in „dem“ portugiesischen Restaurant bei einer wohltuenden Klimaanlage ein Mittagsmenu zu essen und dort anschließend deren angebotene Dusche zu nutzen. Das mit dem Duschen ist hier echt doof. Es hat hier schon lange nicht mehr richtig geregnet und damit bleibt unsere natürliche Dusche abgestellt, so daß unser tägliches Bad nur noch aus ca. 200ml Wasser und einem Wachlappen besteht. Wir müssen halt jeden Liter Wasser mehrere Kilometer schleppen und dann mit dem Dingi zu Gegenwind paddeln. Bei diesen Temperaturen ist das alles andere als spaßig, zumal wir ja schon mehr als genug mit dem Ranschaffen von Trinkwasser kämpfen. Das ist für viele Einheimische auch nicht anders, denn viele haben keinen Anschluß an eine Wasserversorgung. Und selbst wenn, ist das Wasser aus dem Wasserhahn kein Trinkwasser. Das muß man extra kaufen, so daß diejenigen die kein Geld haben, ständig mit dem Risiko leben, sich irgendwelche Keime, Bakterien oder Viren über das Wasser das sie trinken einzufangen.

Eine der wahren Geschichten, die man sich hier inzwischen immer wieder erzählt, handelt von einem  der ersten Corona- Verdachtsfälle: „Ein Einheimischer hatte Symptome die zur Corona-Erkrankung passen konnten und so ging er ins Krankenhaus zur Untersuchung. Der Arzt teilte ihm nach der Untersuchung mit, er habe kein Corona sondern Tuberkulose. Der Betroffene hat sich riesig gefreut, daß er nicht das gefährliche Corona sondern nur die hier vielerorts verbreitete Tuberkulose habe.“

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn: Licht und Schatten

Nun sitzen wir schon fast vier Wochen in der Corona-Krise fest.

Es zeigen sich inzwischen ein paar kleine Lichtblicke. Wir können mittlerweile relativ entspannt zum Einkaufen an Land gehen. Unsere Polizisten, bei denen wir ja unser Dingi auf dem Hof abstellen, scherzen jetzt wieder und lassen uns mit unseren Rucksäcken problemlos passieren um neues Trinkwasser sowie frisches Obst und Gemüse zu besorgen. Das wollen sie immer noch bestätigt bekommen aber bei unserer Rückkehr hinterfragen sie unsere Einkäufe nicht mehr. Allerdings sehen sie uns natürlich bei der Rückkehr mit unserem Marschgepäck vor sich: Jeder von uns trägt etwa 10-20l Wasser auf dem Rücken und die Taschen voll weiterer Einkäufe. So legen wir bei unseren Einkaufstouren normalerweise ca. 3km bei über 30°C im Schatten zurück. Öffentlicher Personen- und Taxiverkehr ist zurzeit übrigens ausgesetzt. Aber das ist ja ein prima Training, wenn man die anderen Tage an Bord nur sitzt oder liegt und den Kreislauf eigentlich völlig runterfährt.
Es haben sogar schon wieder ein paar weitere Läden vorsichtig die Türen geöffnet, natürlich mit Händewaschgelegenheit und Seife vor dem Eingang und auch Masken sind Pflicht. So fanden wir letzte Woche tatsächlich einen Friseur, der unsere inzwischen viel zu dichten Mähnen stutze und uns bei der anschließenden Wäsche auch eine kleine Kopf und Nackenmassage verpaßte. Das Bedienen der Schere mit Handschuhen war für die Friseure allerdings Neuland, denn die rutsche gerne mal ein weinig aus den behandschuhten Händen, zum Glück ohne Mißgeschick.
Bei unserem letzten Shoppingbesuch an Land entdeckten wir, das auch der Burger King hier wieder geöffnet hat und Take-Away anbietet. Wir sind also nix wie hinein und haben einmal wieder Eis und andere Snacks mitgenommen. Anschließend suchten wir uns eine abgelegene Bank im Schatten und bekamen sogar Gesellschaft zum Klönen von zwei Angestellten aus einem benachbarten Geschäft, die gerade ihre Mittagspause hatten. Keine Angst, die Beiden brachten ihre Stühle mit und setzten sich in einem sicheren Abstand neben uns, so daß keiner den anderen anpusten konnte. Der Mensch ist ja schließlich ein Gesellschaftswesen. Es war mal wieder angenehm mit anderen Menschen zusammen zu sein. Das Gespräch war natürlich nicht ganz einfach, denn die beiden suchten alle ihre Englischkenntnisse zusammen und auch das Handy mußte zur Übersetzung helfen.

Neben diesen Lichtern gibt es natürlich auch Schattenseiten. Es bleibt die Ungewißheit, wie sich die gesamte Situation weiter entwickeln wird. Zurzeit sind alle Grenzen hier in der Region zu. An Weiterfahrt ist so also nicht zu denken. Wir haben gehört, das Timor-Leste den Ausnahmezustand vermutlich noch bis Ende Mai verlängern will. Im Moment sind hier 23 Corona-Fälle bekannt, davon zwei Portugiesen und 21 meist Studenten aus Timor-Leste. Alle haben das Virus aus dem Ausland mitgebracht und sie befinden sich in Quarantäne. Wir sind froh, daß es keine weißen Touristen sind, die das Virus hergeschleppt haben, denn dann würde man uns wohl auch wieder böse mustern. So kommt in Abständen nur die Frage, wie lange wir schon hier sind und spätestens bei unserer Antwort: „Since Christmas!“ ist alles gut.
Ein weiteres Ärgernis ist die Frage nach unserm Visum bzw. unserer Aufenthaltsdauer. Seit ein paar Tagen ist das Visum abgelaufen, aber auch hier ist das Verfahren für die Notstandszeit ausgesetzt. Was danach passiert ist vage. Die Internetseiten des Auswärtigen Amtes liefern keine Informationen – nicht einmal die amtlichen Meldungen stehen dort zur Verfügung oder sind verlinkt (da sind die Seiten der US-Botschaften deutlich besser auf Stand, um ihre Bürger im Ausland zu informieren).
Wir haben so den direkten Kontakt zur Botschaft in Jakarta gesucht und haben zumindest darüber Ansprechpartner genannt bekommen. Letztendlich haben wir aber wieder zu unserer altbewährten Methode gegriffen: Sohlen runterlaufen. So haben wir letzte Woche neben unseren Einkäufen einen kleinen Schlenker eingelegt um das Hauptquartier der Immigration aufzusuchen. Dort bekamen wir die Info, das wir uns zum Ende des geplanten Shutdowns dort melden sollen für weitere Infos. In deren Andeutung liegt die Hoffnung für uns, das unser Visum einfach erst einmal verlängert wird; naja wo sollten wir auch hin zurzeit.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn bringt uns Abgeschiedenheit

Mit selbstgenähten Masken

Wir wünschen Euch Frohe Ostern!

Seit zwei Wochen sitzen wir nun aufgrund des „State of Emergency“ an Bord fest. Es fällt uns nicht leicht die Zeit hier in Untätigkeit und Ungewißheit an Bord zu verbringen. Zum Glück haben wir an Bord Internet, so daß wir das aktuelle Geschehen verfolgen können und auch den Kontakt zur Außenwelt aufrechterhalten. Seit ein paar Tagen ist das Internet allerdings etwas schlechter geworden, denn man will Online-Kapazitäten für Schule und Studium freihalten. Wobei nur ca. 50% der Studenten sich überhaupt einen Internetzugang oder auch nur ein Smartphone dazu leisten können.
Naja, solange wir wenigstens weiterhin Emails verschicken und an Infos kommen können, ist das ja besser als gar nichts, aber noch geht zeitweise etwas mehr als das.

Inzwischen haben wir eigene selbstgenähte Masken. Asha hat Nadel und Faden geschwungen und Stich für Stich ein paar schicke Masken angefertigt. Übrigens scheinen hier noch genügend Masken auf dem Markt zu sein, denn Stoffmaskenverkäufer laufen herum und viele Leute tragen die dünnen grünlichen Einmal-Papiermasken, von denen vermutlich bald viele davon an Gegenwind als Müll vorbeischwimmen werden.
Außerdem tut die lange Zwangspause Gegenwinds Großsegel gut, denn nun ist mal Zeit um einige Nähte nachzunähen und ein paar Flicken aufzusetzen.
Viel Zeit bedarf es an Bord fürs Zubereiten unserer Mahlzeiten. Während der ersten Woche gab es zum Frühstück selbstgebackenes Bananenbrot. Auch zum Mittagessen läßt Asha sich immer wieder etwas Neues einfallen: Pizza mit selbst zubereitetem Teig, Kartoffelpuffer, Kürbisgerichte, Risotto- Variationen, Pfannkuchen nach eigens angepaßten Rezepten, denn wir haben nicht immer alle Zutaten die eigentlich verwendet werden sollten. Der Smutje ist ja bekanntlich für die gute Laune an Bord verantwortlich!

Zweimal sind wir inzwischen sogar an Land zum Einkaufen gewesen: am Samstag, den 4. und Donnerstag den 9. April 2020. Wir sind dabei ebenso unsicher, wie die Maritime-Polizisten bei denen wir unser Dingi abstellen und über deren Tor wir auschecken. Die Regeln besagen zwar, daß Ausländer die länger im Land sind, Einkaufen und die dringendsten Dinge erledigen dürfen aber die Verantwortung dafür sorgt doch für Unsicherheit und so auch für die verschiedensten Aussagen. Aber wir sind ja zum Glück schon lange bekannt und wenn wir mit unseren leeren Wasserkanistern vor dem Wachhäuschen stehen und erklären, das wir Proviant und Trinkwasser benötigen, verstehen sie es doch, denn auch deren Mama muß alle fünf Tage einkaufen, damit sie etwas zu Essen bekommen. Das haben sie uns erzählt. Dabei werden wir allerdings gut kontrolliert, wie lange und wohin wir gehen.
Die Straßen sind relativ leer, die Supermärkte sind geöffnet und die Regale voll, sogar bei einigen kleinen Läden stehen die Türen offen und auch der Obst-und Gemüsemarkt ist gut bestückt. Allerdings heißt es überall Maskenpflicht und auch das Händewaschen ist ein muß. Dazu stehen Seife und entweder Wasserspender oder richtige Wasseranschlüsse zur Verfügung. Die Versorgung des Landes scheint auch weiter zu funktionieren, denn wir sehen immer wieder Containerschiffe zum Entladen im Hafen anlegen.

Uns ist bei unserem zweiten Einkaufsbesuch deutlich geworden, daß die ersten Menschen hier anfangen Hunger zu leiden, obwohl die Regierung auch hier Hilfsmaßnahmen eingeleitet hat. Wir wurden von mehreren Menschen angesprochen und höflich um Hilfe gebeten, einige Straßenjungen versuchten uns doch noch mehr Obst anzudrehen, als wir wollten und wir wurden auch direkt nach etwas Eßbarem oder etwas Geld, konkret für Essen gefragt. Das ist neu, denn das haben wir hier bisher noch nicht erlebt. Wohin das nicht nur hier, sondern weltweit wohl noch führen wird?

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn schließt nun auch hier die Tore

Alle fahren nach Hause

Der Notfall, oder wie es hier heißt, der „State of Emergency“ ist seit Samstag, dem 28.März 2020 nun auch in Timor-Leste eingetreten und soll bis zum 28.April 2020 gelten.

Seit unserem letzten Bericht haben wir unsere Vorräte weiter aufgestockt, so daß wir uns unter Deck inzwischen kaum noch bewegen können. Aber da die Informationslage insgesamt sehr unklar ist und sich viele Informationen wiedersprechen haben wir für eine lange Zeit vorgesorgt und bis zur letzten Stunde immer wieder die frischen Lebensmittel sowie vor allem Trinkwasser ergänzt.
An Land sahen wir, das immer mehr Menschen die Stadt verließen und Stück für Stück haben auch immer mehr Läden geschlossen. Die Supermärkte waren für unsere Besorgungen allerdings geöffnet.

Am Freitag, den 27.März 2020 ließ uns die Maritim-Polizei, bei der wir unser Dingi abstellen, nicht an Land, sondern schickte uns paddelnder weise zum Immigrationsbüro im Hafen. Zum Glück kam ein freundlicher Einheimischer mit seinem motorisierten Boot und nahm uns dorthin in Schlepp – das war ziemlich weit. Der Immigrationsbeamte erklärte uns, daß wir heute in die Stadt gehen sollten, um noch einmal einzukaufen, denn danach sollen wir für vier Wochen, also die gesamte „Notfallzeit“, an Bord bleiben. Für unsere Trinkwasserversorgung sagte er uns zu, daß die Maritim-Polizei uns damit versorgen solle. Er rief auch gleich bei der Maritim-Polizei an und so war alles für diesen Tag in Ordnung. Für das weitere Vorgehen zu unserem Visum, das innerhalb der „Notfallzeit“ ablaufen wird, gab er uns eine Telefonnummer.
Der Rückweg zur Maritim-Polizei, um unser Dingi dort an Land zu stellen, war gaaanz schön lang zum Paddeln. Nun aber ließen uns die Polizeibeamten auch wieder freundlich an Land zu unseren Besorgungen.

Auf den Straßen bemerkten wir immer wieder, daß die Menschen große Ängste haben und ziemlich verunsichert sind. Wir wurden in der vergangenen Woche auch häufig angesprochen: „Corona, Corona???“ Vielfach war die Verständigung schwierig, denn Englisch ist nicht sonderlich geläufig in der Bevölkerung, obwohl man sich bemüht die Defizite nachzuholen. Hier wird die Landesspreche Tetun gesprochen, die wir nicht verstehen. Wir nahmen uns aber jedes Mal die Zeit uns mit den Fragenden so gut wie möglich auszutauschen und spätestens wenn sie verstanden, das wir seit letztem Weihnachten, also vor dem Corona-Virus, in Dili sind, bekamen wir wieder freundliche Gesichter zu sehen, denn so sind wir ja keine Gefahr sondern genau wie sie selbst „OK“.

Vergangenes Wochenende gab es hier laut Hörensagen von unseren Bekannten Auseinandersetzungen mit Zugereisten, die hier leben. Es flogen auch Steine – aber so etwas gibt es in Europa wie z.B. in Spanien wo Krankenwagen beworfen werden ja auch, wenn die Menschen vor Ort Angst haben und  einfache verständliche Erklärungen fehlen, die die Ängste nehmen. Der Auslöser hier waren Bilder, die über Facebook geteilt wurden und einen heftigen Asthmaanfall mit dem Titel Corona zeigten und so für Panik und vor allem Wut auf diejenigen auslösten, über die diese Krankheit ins Land kam.
Das Gesundheitssystem hier in Timor-Leste befindet sich auf unterem Niveau. Corona-Tests können hier nicht durchgeführt werden, sondern werden bisher nach Australien geschickt. Offiziell gibt es hier einen Corona-Fall. China und Kuba engagieren sich mit medizinischen Hilfslieferungen bzw. Fachkräften.

Wir sitzen jetzt erst einmal an Bord und können das stark eingeschränkte Leben auf den Straßen, sowie den mächtig reduzierten Verkehr nur noch aus der Ferne beobachten.
Am Samstagmittag liefen auf der fast leeren Straße, die genau in unserem Blickfeld liegt, eine größere Gruppe sowie etliche Polizisten herum und dabei gab dabei eine Schießerei. Fünf-, sechs Pistolenschüsse jagten uns einen heftigen Schreck ein. Die Lage wurde dann aber von der Polizei schnell geklärt und die Menschenmenge löste sich auf. Eigentlich befürchten wir erst im weiteren Verlauf der „Ausgangssperre“ Gewalttätigkeiten. Die Menschen wurden zum Schutz vor dem Corona-Virus einfach nach Hause geschickt, aber wovon sollen sie leben? Hier gibt es anders als in Deutschland keine Lohnfortzahlung und wer nicht arbeitet, verdient nichts und kann seine Familie nicht mehr ernähren. Was machen die meist 4-10-jährigen Kinder, die normalerweise täglich ihre Mangos und Eier auf der Straße verkaufen um sich ein Brötchen oder etwas Reis zu leisten? Wovon leben jetzt die Menschen, die mit ihren Kokusnußkarren üblicherweise nach Kundschaft suchen, es ab heute aber nicht mehr dürfen oder zumindest keine Kunden mehr finden?

Wir fragen uns hier auch immer häufiger, ob die Toten in den ärmeren Regionen unserer Erde, die durch den Verlust ihrer Erwerbsquellen als Folge der Corona-Krise und dem nahezu weltweiten Shutdown umkommen, auch als Corona-Tote gezählt werden? Welche Hilfsprogramme sind gegen Hunger, Gewalt und Krawalle sowie weitere Flüchtlingswellen inzwischen auf den Weg gebracht?

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Der Corona- Wahnsinn ist nun auch bei uns angekommen

Unsere schnell besorgten Vorräte stehen erst einmal im Salon
Unsere schnell besorgten Vorräte stehen erst einmal im Salon

Wir dachten schon, daß Timor-Leste eines der wenigen Länder ist, das von dem Corona-Virus verschont wird – „Pustekuchen“!. Mit den ganzen Medienberichten und den Informationen von Freunden weltweit, war uns eigentlich schon sehr früh klar, daß das ein Wunschdenken war, das wir hier auf der Insel mit den Einheimischen geteilt haben.
Denn wenn wir die vergangenen Wochen/ Monate zurückschauen, fingen unsere schlimmsten Befürchtungen eigentlich schon Ende Januar mit dem Verfolgen der Ereignisse in China und dem Rest der Welt an.
Aber nun ist es soweit und der ganze Corona-Krisen-Wahnsinn ist auch hier angekommen.

Als wir vergangenen Freitag, den 20. März 2020 zum Einkaufen an Land gepaddelt sind, wurden wir von der Maritim- Polizei am Ausgang aufgefordert uns sofort bei der Einwanderungsbehörde zu melden und so folgten wir der Aufforderung und gingen direkt zum Einwanderungsbüro. Der Beamte kontrollierte unsere Pässe und vor allem unsere Einreisestempel. Nach einer längeren Diskussion, denn Englisch ist für die Beamten nur eine Fremdsprache, die selten gebraucht wird, kamen wir gemeinsam zu dem Schluß, das alles in Ordnung ist und wir schon vor Corona-Zeiten hier angekommen sind. Er machte uns darauf aufmerksam, das wir jetzt streng von der Maritim- Polizei kontrolliert werden und wir mit dem Ablauf unseres Visum Mitte April Timor-Leste verlassen müssen, uns bis dahin aber in der Hauptstadt Dili frei bewegen dürfen. Außerdem erzählte er uns, das jetzt die Grenzen für Einreisende geschlossen sind. So, das war nun geklärt und wir erledigten beruhigt unsere Besorgungen bevor wir zu unserem Dingi zurückgingen. Als wir den Eingang zur Maritim-Polizei erreichten, um uns wieder in dem Besucherbuch einzutragen, wurden wir noch einmal auf die jetzt besonders wichtige Kontrolle hingewiesen und bekamen auch gleich die Einschränkung, das wir bis spätestens 16:00Uhr an Bord zurückkehren müssen. Es wird ungemütlicher.

Am folgenden Tag zog es uns an Land um ein paar Hamstereinkäufe zu machen, da wir einige Andeutungen verstanden haben, die uns eventuell für die kommenden Wochen an Bord fesseln könnten. So stockten wir unseren Proviant kurzfristig auf. Unsere ersten Supermärkte waren fast wie immer. Nur standen jetzt überall Desinfektionsmittel zum Hände Einsprühen herum oder es waren Wasserhähne zum Händewaschen vor den Märkten installiert. Es wurde auch keiner mehr hereingelassen, der sich nicht die Hände gereinigt hatte. Als wir dann zum Mittagessen eine Shoppingpause einlegten, sahen wir die Leute irgendwie verändert – hektisch und verängstigt herumlaufen. Wir haben leider das Problem, das wir kein Tetum und kein Portugiesisch verstehen und die Menschen hier nur wenig Englisch sprechen, so daß uns viele allgemeine Informationen einfach fehlen.
Als wir nach der Mittagspause unsere Shoppingrunde fortsetzten, ließ Asha Helge mit den Rücksäcken vor einem Supermarkt stehen und zuerst waren die Kassen leer und wenige Kunden durchsuchten die Regale. Dann brach aber plötzlich das Chaos aus. Die Menschen strömten hinein. Nach kurzer Zeit kamen die Ersten mit mehreren Reissäcken, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie Wasserflaschen wieder heraus – Klopapier war hier nicht der Renner! Der Supermarkt füllte sich zusehends und die Schlange an der Kasse wurde immer länger, so daß Asha letztendlich über eine viertel Stunde anstand. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig zum Torschluß wieder zurück am Dingi zu erscheinen.

Am Sonntag wollten wir unsere Wasservorräte auf Maximum auffüllen – also 60Liter vom Supermarkt schleppen, denn das ist hier die einzige saubere Trinkwasserversorgung. Der Wachposten der Polizei Maritima wollte uns allerdings nicht mehr durchlassen und er erklärte uns, das jetzt der erste vom Corona-Virus Betroffene hier in Dili festgestellt wurde!
Der Betroffene ist eine Studentin, die für ein halbes Jahr in Portugal war und das Virus bei ihrer Rückkehr mitgebracht hatte. Nur angekommen war die Betroffene schon am 12. März, während sie vergangene Woche erst Symptome zeigte und getestet wurde. Tiomor-Leste kann keine eigenen Corona-Tests durchführen und so werden alle Proben zur Auswertung nach Australien geschickt.
Wir führten eine längere, nette Diskussion mit dem Polizeibeamten über das ganze Thema und über unsere Versorgung mit Trinkwasser. Letztendlich sollten wir unser Wasser einkaufen und er empfahl uns auch gleich noch weitere Einkäufe zu erledigen, was wir dann auch taten. Außerdem gab er uns auch noch je eine Schutzmaske, damit uns nichts passiert. Die Polizei Dein Freund und Helfer!
So kehrten wir nach mehreren Shoppingtouren gerade rechtzeitig um 16:00Uhr wieder zurück. Und Ihr werdet es nicht glauben obwohl es noch keine Ausgangssperre gibt, waren die Straßen so gut wie leer, in den Supermärkten und auf den Märkten waren kaum Leute – keine Hamsterkäufe mehr! Gut wir müssen dazu sagen, das ein Großteil der Einheimischen gar nicht das Geld für Hamsterkäufe hat. Das Bild, das auf den Straßen blieb waren Kinder, die versuchten ein paar Eier oder Mangos zu verkaufen. Während es in Deutschland schwer fällt zu Hause zu bleiben nimmt man das hier als nötige Maßnahme hin und das obwohl es hier keine Lohnfortzahlung und keine Sozialhilfe gibt. Das bedeutet, wer nicht arbeitet verdient kein Geld mehr um seine Familie zu Versorgen.

Den gestrigen Montag sind wir an Bord geblieben. Aber heute waren wir wieder an Land um uns auf den neuesten Stand zu bringen. Wir wurden nicht aus der Polizeistation gelassen und die Angst hier vor Ort ist riesig. In dieser Woche soll das weitere Vorgehen entschieden werden.

Für uns bleibt die Situation weiter angespannt, denn zum Einen läuft unser Visum in ca. vier Wochen ab und zur Zeit haben alle Länder, die als mögliche Ziele für uns in Frage kommen ihre Grenzen geschlossen, so daß eine Einreise unmöglich ist.
Letzten Donnerstag, also nach der Grenzschließung kam hier ein Australier mit seinem Schiff an. Er durfte kurz an Land um Diesel und ein paar Vorräte zu ergänzen und mußte dann das Land sofort wieder verlassen.
Wir hoffen, daß man unser Visum so lange verlängern wird, bis sich die Lage wieder entspannt.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste und bleibt gesund!
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – „Burger King“ ohne Burger

„Burger King“ ohne Burger

Ein Teil unseres Alltags besteht darin, hier und da einen Platz zu finden, bei dem wir nicht in der brütenden Hitze zerfließen und auch nicht in der Sonne gegrillt werden. So haben wir ein paar Lieblingsplätze, die uns eine angenehm kühle Umgebung bieten. Ein solcher Ort ist ein „Burger King“, der seine Klimaanlage ideal eingestellt hat und wir bei einem Eis oder einem Mittagsmenü uns dort nach Lust und Laune aufhalten können.

Vor ca. eineinhalb Wochen, als wir wieder zum Abkühlen hingingen, waren ALLE Burger-Produkte mit dem Aufkleber „nicht verfügbar“ versehen. Zum Glück wollten wir an diesem Tag nur ein Eis und eine Zeitlang dem brutalen Schwitzen in der Hitze entgehen. Aber natürlich fragten wir nach, was das zu bedeuten hatte und bekamen die Aussage, daß die Ware in dem Drehkreuz Singapur aufgrund des Corona-Virus feststeckte, so daß keine Burger hier ankamen. Nur Eis, Hühnchenprodukte und Pommes Frites waren nicht betroffen, da sie aus Australien geliefert werden.
Singapur ist das Drehkreuz für den Handel in dieser Region und mit der Corona-Virus-Krise sind die Lieferketten hier in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß alle „Burger King“ Filialen in Dili keine Burger verkaufen konnten. Inzwischen ist wieder eine Lieferung angekommen und es gibt wieder Burger bei „Burger King“.

Von dem Ausbruch der Corona-Krise bleiben auch wir nicht unbeeinflußt, denn zum Einen hängt unsere weitere Reise- und Aufenthaltsplanung, die in dieser Gegend aufgrund des Wetters, der Geographie, sowie der Einreisebestimmungen, eh schon sehr anspruchsvoll ist, nun auch noch an den Verschärfungen von Einreisebedingungen durch diese Corona-Krise. Und zum Anderen befinden wir uns hier in einem Gebiet mit einer als schlecht beurteilten Gesundheitsversorgung, so daß wir inzwischen die Apotheken durchstöbert haben um unsere Bordapotheke wieder mit Erkältungsmitteln, Antibiotika und Lungenkrankheitsmitteln, also den üblichen Virus- und Entzündungsbekämpfenden Medikamenten aufzufüllen. Wir waren überrascht, wie gut wir hier, natürlich nach langer Suche, diese Medikamente beschaffen konnten. Mit unserem ungeplant langen Aufenthalt hier in Dili freuen wir uns jetzt allerdings darüber, daß so wenige Touristen dieses Land besuchen, denn damit ist die Gefahr angesteckt zu werden nicht so groß.     

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste, Asien
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Osttimor – Feuerholz oder Gaskocher

Feuerholz: Das Bündel für einen USD

Für uns wurde es höchste Zeit unsere Gasknappheit endlich zu lösen, denn aus Neukaledonien sind wir mit nur einer vollen und einer fast leeren (deutschen 5kg) Gasflasche losgefahren. In Australien gab es keine Möglichkeit die Flachen aufzufüllen und so wollten wir eigentlich schon längst in Malaysia sein, denn dort hofften wir auf eine Möglichkeit die Flaschen zu füllen. Nur womit kochen wir bis dahin, da unsere Reise ja nun aufgrund dieser Jahreszeit länger dauern wird, als wir erwartet hatten. Für Timor-Leste und auch für Indonesien haben uns bisher alle versichert, daß es hier keine Möglichkeit gibt unsere Flaschen zu füllen.
Trotz dieser miesen Aussichten sind wir losgezogen um die verschiedenen Gashändler und Zubehörläden abzuklappern. Vielleicht würden wir ja einen Adapter finden um von Flasche zu Flasche zu füllen oder wir binden eine hiesig Gasflasche einfach oben auf unserem Gaskasten fest und basteln uns einen neuen Anschluß?
Nach etlichen Tagen Lauferei und vielen fragenden Gesichtern, was diese komischen Ausländer denn wollen, fanden wir eine Gasstation die vielversprechend war. Dort lagen etliche Adapterstücke, die konnten Flaschen füllen und sie schienen unseren Wunsch zu verstehen. Natürlich war es wichtig die richtigen Ansprechpartner vorzufinden und so brauchten wir auch hier ein paar Tage bis alles paßte und wir gemeinsam eine Lösung für unser Gasproblem fanden. Unsere deutsche Gasflasche und eines unserer Füllabdapterstücke zusammen mit deren extra Anschlußstutzen brachte die perfekte Lösung, mit der alles zusammenpaßte. Das Füllen unserer Flasche selbst war dann nur noch ein Akt von zwei bis drei Minuten. So hatte sich die Woche Lauferei für uns echt gelohnt und wir konnten wieder vom Kochen mit minimalstem Gasverbrauch umstellen auf normales Kochen. Das Kochen mit minimalstem Gasverbrauch bedeutete für uns in diesem Fall Dosenessen, das nur warm zu machen ist mit einem Stück Brot dazu oder Quick-Cook-Nudel mit einer Dose Gemüse verrührt – irgendwann reicht das aber wirklich!
Aber die ganze Suche nach dem Gas hatte auch noch einen weiteren Aspekt, nämlich Land und Leute wirklich näher kennenzulernen. Hier in Timor-Leste wird immer noch überwiegend auf dem offenen Holzfeuer gekocht. An Straßenverkäufen lassen sich dazu kleine Bündel Feuerholz für einen USD kaufen.
Wenn man dagegen bedenkt, daß eine hiesige 10kg Gasflasche ca. 100USD kostet und der Normalverdienst für einen acht Stunden Arbeitstag bei etwa 150 USD pro Monat liegt, dann wäre die Investition in eine solche Gasflasche eine riesige Leistung, die nicht mal eben zu bewerkstelligen ist, zumal es ja nicht mit der Gasflasche allein getan ist, sondern auch noch ein Kocher, der liegt hier im Schnitt zwischen 50 und 100 USD sowie ein Gasregulator von ca. 40USD hinzukommen. Die Wiederauffüllung der 10kg Gasflasche kostet „nur“ 36 USD. Solche Beträge können von den meisten hier nur schwer erbracht werden. Man bezahlt die Dinge des täglichen Bedarfs eher in kleinen, überschau
baren Beträgen – dazu paßt auch eine wöchentliche Gehaltsauszahlung in bar. Selbst für den geliebten Motorroller wird das Benzin in der Regel nur halbliter- oder literweise getankt, denn das bekommt man hin.

Viele Grüße aus Dili, Timor-Leste, Asien
Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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Timor-Leste (Osttimor) – ein schmuckloses Land geografisch gut gelegen

Timor-Leste ist ein eigenständiger Staat umgeben von Indonesien. Wir haben nur minimalen Tourismus erlebt und waren eher die Exoten.
Bei unseren Recherchen vor dem Besuch des Landes haben wir nur wenige Informationen gefunden, so daß wir hier unsere wesentlichen Erfahrungen aufschreiben um es für Nachfolger etwas einfacher zu machen.
Für Timor-Leste brauchen Europäer kein Visum! Das bietet die Möglichkeit spontan einen Stopp einzulegen. Es gibt nur einen Ein-/ Ausklarierungshafen: Dili, die Hauptstadt auf der Nordseite der Insel.
Bei unserer Annäherung an Timor-Leste und die indonesische Inselwelt stießen wir schon Meilenweit vorher auf diversen Plasikmüll. Vor allem die unterhalb der Wasseroberfläche treibenden Plastiktüten sind ein echter Gefahrenpunkt für den Propeller und den Seewassereinlaß bei Motorfahrt! Wir hatten uns gute 300sm vor Dili eine dieser Plastiktüten um den Propeller gewickelt.
Dili liegt in einer nach Norden hin offenen Bucht die von einer großen, unübersehbaren  Christus-Statue überthront wird. Der Hafen wird geschützt von einem Riff, das allerdings bei Hochwasser unter Wasser steht. Vor dem Hafen ankern meist große Frachtschiffe, die auf die Entladung im Hafen warten.
Die Hafeneinfahrt ist mit je einer sehr gut sichtbaren Backbord-/ Steuerbordbarke gekennzeichnet. Wir haben, wie schon andere vor uns, versucht die Hafenbehörden per VHF-Kanal 16 zu erreichen aber keine Antwort bekommen, so daß wir einfach hineingefahren sind.
Das finden eines passenden Ankerplatzes war nicht so einfach. Unsere elektronische Seekarte (Navionics) lieferte uns glaubhafte Daten, die mit der Realität übereinstimmten (Wassertiefen und die Lage des Riffs neben dem Ankerplatz). Wir brauchten viele Ankerversuche an verschiedenen Stellen im 12m Tiefenbereich) um den Anker letztenlich auf Position S08°33,055’ E125°34,779’ allerdings auf 16,6m zum Halten zu bringen. Der Boden ist stark verunreinigt mit allem Möglichen, das sich bei den verschiedenen Versuchen mit unserem Anker an die Oberfläche befördern ließ und besteht hauptsächlich aus hartem Grund. 
Es gibt hier keinen Dingisteg, allerdings sind die Strände in Paddelreichweite, so daß sich leichte Dingis gut außerhalb des Gezeitenbereichs tragen lassen. Wir nutzten für unser Dingi den Strand der Policia Maritima nachdem wir jedesmal um Erlaubnis gefragt hatten. Wir mußten uns lediglich beim Verlassen und Betreten des Geländes in ein Buch eintragen – einen Stift sollte man dabei haben, denn die sind immer wieder Mangelware in dem Wachhäuschen.

Ein-/ Ausklarieren:
Zum Einklarieren
muß man an Land und sich zuerst bei der Immigration registrieren, dann zum Customs und zu guter letzt zum Port Captain. Der Weg zur Immigration führt von der Policia Maritima nach rechts in Richtung Hafengelände zum Haupttor und auf das Hafengelände. Die Immigration findet man in einem eigentlich hübschen, beigen Gebäude mit rotem Dach im Kolonialstil, das leider ziemlich heruntergekommen, eingefallen aussieht im ersten Stock. Die Formulare sind simpel aber ohne Brille ist man fast aufgeschmissen um die unscharfe kleine Schriftgröße in dem dunklen Raum entziffern zu können. Anschließend geht es zum Customs-Büro. Das befindet sich gleich am Haupttor im Container. Auch hier haben wir nur ein einfaches Formular ausgefüllt und sind anschließend weiter zum Port-Captain. Das Gebäude liegt außerhalb des Hafengeländes. Man verläßt das Hafengelände nach rechts und folgt dem Zaun weiter bis zum Ende des Hafenbereichs. Dort findet man ein letztes weißes Steingebäude mit Flachdach und einem Eingang durch den Zaun – vor dem Park. Die Tür zum Port-Captain ist an der Rückseite des Gebäudes. Das war es mit der Einklarierung. Wir haben das hier so ausführlich beschrieben, denn man findet keine gut sichtbaren Schilder und die Auskünfte für die Reihenfolge und das Auffinden dieser Büros sind sehr spärlich.
Ein paar kleine Haken:

  • Die Aufenthaltsdauer beträgt 90 Tage. Eine Verlängerung ist nicht möglich. Dazu bleibt nur die Aus- und Wiedereinreise z.B. nach Indonesien (in den Westteil von Timor für eine Nacht).
  • Bei unserer zweiten Einreise wollte Immigration eine Crewliste mit unserem Stempel drauf, die wir nachreichen mußten da wir keine Liste mit Schiffsstempel dabei hatten.
  • die Crew eines anderen Schiffs war zusätzlich noch im Health Office – da waren wir nicht und wurden auch nicht dazu aufgefordert

Zum Ausklarieren muß man wieder zur Imigration für die Stempel im Paß, zu Customs zum Ausfüllen eines Formulares und zum Port Captain für das Cruising Permit. Diesmal fordert der Port Captain allerdings noch das Liegegeld, das bei der Port Authority einzuzahlen ist. Aber auch das ist nicht so einfach. Dazu sucht man zuerst den Port Captain auf, von dem es einen Zettel zur Ausklarierungsabfertigung gibt. Mit diesem Zettel geht es dann zurück zum Haupttor und dort in ein Büro um ein Port-Summary zu bekommen. Das Büro dazu befindet sich hinter dem Fußgängereingang des Haupttores direkt an den Verkehrsschranken: das feste Gebäude am Zebrastreifen in Eingangsfahrtrichtung links. Mit dem Port-Summary geht man zum Bezahlen in das neueste, zweistöckige Hauptverwaltungsgebäude der Port Authority und findet im Parterre hinten rechts die Zahlstelle. Die Liegekosten errechnen sich aus Schiffsgewicht, Schiffslänge und Liegezeit in Stunden (beim ersten knapp dreiwöchigen Aufenthalt zahlten wir 27USD). Mit dem Bezahlt-Beleg geht es zurück zum Port Captain, der dann das Cruising-Permit für die Weiterfahrt ins nächste Land erstellt. 

Geld:
Achtung: Es wird mit USDollar bezahlt. Am besten bringt man genügend mit ins Land (es gibt kein Limit das abgefragt wird)!!!!!!!
Und Wechselgeld ist nicht immer in ausreichendder Menge verfügbar, am Besten immer genug Kleingeld parat halten. Als Kleingeld werden lokale Münzen von 2 Dollar abwärts verwendet. 
Timor-Leste hat seine eigenen Bankkarten! Die Bankkarten europäischer Banken werden NICHT akzeptiert (auch nicht an Automaten, in Hotels, am internationalen Flughafen,…). Die EINZIGEN ausländischen Karten mit denen man Geld abheben kann (am Bankschalter oder an einigen Automaten) sind VISA-Karten. (Master-/ AmericanExpress oder andere Kreditkarten werden hier NICHT angenommen! Auch die ansässige ANZ-Bank bietet keine andere Möglichkeit).
Der Umtausch von australischen Dollar oder Euros ist auf der Straße und bei den hiesigen Banken möglich aber wir raten dringend davon ab, denn die Wechselkurse und Gebühren sind exorbitant und gleichen eher einem Raubrittertum oder Wegelagerei. Als Notfallalternative bleibt sonst nur der Geldversand über “Western Union” oder wer Glück hat, erlebt den seltenen Besuch eines Kreuzfahrers. Dann bieten Geldwechselstände am Kreuzfahrerlandeplatz gute Geldwechselmöglichkeiten und Kurse an.

Internet:
Den Internetzugang haben wir hier über eine Prepaid SIM-Karte gelöst. Wir sind bei Telemor glandet – angeblich der Beste, bis 4G, aber viele Anwendungen funkionieren bei uns hier nur eingeschränkt oder sehr, sehr langsam, wenn sie nicht irgendwann abbrechen. 5USD für “unlimitierten Zugang” = 1,1GB für eine Woche. Wir haben das Limit nie erreicht. Oder 25USD für “unlimitierten Zugang” = 10GB für 30 Tage. Zur Registrierung für die SIM-Karte muß man einen Telemorshop aufsuchen und den Pass vorlegen.

Diesel:
Zum Tanken muß man eine Straßentankstelle aufsuchen und die Kanister an Bord schleppen. Die meisten Tankstellen (auf dem Weg zum Timor-Plaza) sehen nicht schlecht aus. Der Diesel allerdings ist recht dunkel, teilweise fast schwarz. Kosten 0,90-1USD pro Liter. Ein Taxi hin und zurück lag bei 10USD, OneWay 3-4USD pro Strecke, es fahren genügend Taxen herum.

Gasflaschen:
Gas ist im Land relativ neu. Hier wird überwiegend immer noch mit Feuerholz gekocht.
Wirklich alle behaupteten, daß man hier keine Gasflaschen füllen lassen kann. Wir haben es trotzdem geschafft, das unmögliche hinzubekommen. Es war zwar sehr aufwendig eine professionelle Lösung zu finden aber am Ende hat es super geklappt.
Der einzige Betrieb in Dili der es kann ist „Klean Gas“ in der Rua Comoro Malinamok (Google Maps: Estr. do Rio Comoro). Es liegt auf der Westseite des Comoro-Flusses gegenüber von „RMS“ (einem großen Straßenbauunternehmen, das bei Google Maps angezeigt wird, während Klean Gas selber derzeit dort nicht angezeigt wird). Vom Timor Plaza aus ist es etwa eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt. Am besten meldet man sich vorher an: Telefon: (+670) 7723-1056 oder -1057 oder 7725-2278; Email: kleangas.17@gmail.com

Es wird professionell aus großen Tanks abgefüllt. Der Standard sind australische- und indonesische Gasflaschenanschlüsse. Für unsere deutschen, grauen 5kg- Gasflaschen konnten allerdings Adapter- und Aufsatzstücke gefunden werden. Wir steuerten ein deutsches  Fülladapterstück „F3“ bei. Und so wurde unsere Flasche dann in wenigen Minuten gefüllt. Allerdings dauerte die Suchaktion nach den passenden Anschlüssen ziemlich lange und war alles andere als einfach aber keiner wollte bei der Lösungsfindung einfach aufgeben. So führten wir mit Marilou, der Managerin nebenbei auch tolle Gespräche über andere Themen während Ameu, der erfahrenste Techniker immer wieder mit neuen Varianten ankam.  Der Preis für 5kg lag bei 18USD.

Wasser/ Trinkwasser:
Uns wurde von verschiedenen Seiten vom Trinken aus dem Wasserhahn abgeraten. Zugänge zu öffentlichem Wasser haben wir bisher nicht entdeckt. Unsere Trinkwasserversorgung haben wir wie die meisten Einheimischen, die sich sauberes Trinkwasser leisten können gelöst: Es gibt in sehr vielen Supermärkten und Tante- Emma-Läden 19-Liter Flaschen. Wir haben eine Flasche für 10USD erstanden und können nun die leere Flasche abgeben und eine volle Flasche für 1,10USD mitnehmen. Achtung: Der Tausch geht nur bei Läden mit demselben Flaschenetikett.  

Lebensmittel, frisches Obst und Gemüse:
Es gibt über die Stadt verteilt verschiedene große und kleine Supermärkte. Ein spezieller sei hier genannt: “Pateo” dort bekommt man eine Auswahl portugisischer Produkte, einschließlich Natas und Brot/ Brötchen. Bäckereien mit Brötchen und Gebäck gibt es allerdings auch in der Stadt verteilt an verschiedenen Stellen. Als großes Einkaufszentrum mit Foodbereich wird das Timor-Plaza bezeichnet. Man sollte die Erwartungen allerdings nicht zu hoch stecken. Es ist einfach mit dem Microlet, den Sammeltistaxis zu erreichen.
Frisches Obst und Gemüse haben wir an der Wasserfront entdeckt – ca.15min Fußweg von der Policia Maritima nach links in Richtung Christus- Statue. Gleich gegenüber den Marktständen befinden sich auch zwei gut sortierte Supermärkte.

Transportmittel:

  • Microlet, das sind die öffentlichen Minibusse, die in verschiedenen Linien durch die Stadt fahren. Die Linien sind beziffert und jede Linie hat eine eigene Farbe. Eine Fahrt kostet 0,25 USD. Einfach anhalten und einsteigen. Auch das Aussteigen erfolgt auf Wunsch.
  • Taxis, gibt es zwei Arten: gelb und blau. Die blauen sind die Besseren für die Touristen, die haben wir nie benutzt. Die gelben, von denen man gerne zum Mitfahren angehupt wird, haben wir für unsere schweren Besorgungen wie unsere Dieseleinkäufe benutzt. Die Autos würden allerdings in Deutschland wohl eher auf dem Schrottplatz landen.

Asha & Helge
Crew der SY Gegenwind

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